Coronavirus: Saisonarbeiter erhalten doch Einreisemöglichkeit

Spargel- und Obsthof Wendel muss sich auf Ausfall von Erntehelfern einstellen

Die Grenzen waren für Erntehelfer aufgrund der Corona-Krise weitgehend dicht. Es drohten in Deutschland ganze Ernten auszufallen. Aufatmen bei den Landwirten: Erntehelfer dürfen jetzt doch einreisen. So informierten am heutigen Nachmittag (2.) Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Innenminister Horst Seehofer (CSU) über ein von beiden Ressorts ausgearbeitetes Konzeptpapier, nachdem in diesem und im kommenden Monat jeweils 40.000 Saisonarbeiter aus Osteuropa unter strengen Auflagen nach Deutschland einreisen dürfen.

Strenge Auflagen

Demnach dürfen die Arbeiter unter anderem ausschließlich in Gruppen und mit dem Flugzeug ein- und ausreisen. Vorgesehen ist außerdem eine Gesundheitsprüfung. In den ersten 14 Tagen dürfen die Helfer auch ihren Betrieb nicht verlassen. Laut Klöckner wurde mit den vom Robert-Koch-Institut ausgearbeiteten Regeln eine pragmatische Lösung gefunden, die dem nötigem Infektionsschutz und der Erntesicherung Rechnung trage. Jetzt geht es an die Umsetzung.

Artikel, vom 26. März 2020

Spargel- und Obsthof Wendel muss sich auf Ausfall von Erntehelfern einstellen
Coronavirus: Einreisestopp für ausländische Erntehelfer

Die Auswirkungen des Coronavirus ändern fast stündlich Informationen und Vorgaben. Jetzt trifft es die Landwirtschaft. So dürfen ab Mittwoch (25.), 17 Uhr, nach einer Anordnung des Bundesinnenministeriums Erntehelfer aus dem Ausland als Maßnahme zur Eindämmung der Pandemie vorerst nicht mehr einreisen. Bedeutet im Klartext: Saisonarbeitern wird im Rahmen der bestehenden Grenzkontrollen die Einreise nach Deutschland verweigert. Ein großes Problem für deutsche Landwirte, sind doch Obst- und Gemüsebaubetriebe auf den Einsatz von rund 300.000 Saisonarbeitskräften angewiesen. „Wir brauchen für die unmittelbar bevorstehende Spargelsaison 500 Erntehelfer“, verdeutlichte auch Sigrid Wendel vom gleichnamigen Zwingenberger Spargel- und Obsthof in einem Gespräch mit der Onlinezeitung die Problematik.

Ausfall kaum zu kompensieren

Diese Regelung gilt für Einreise aus Drittstaaten, Groß-Britannien sowie EU-Staaten, die den Schengen-Besitzstand nicht voll anwenden (unter anderem Bulgarien und Rumänien) und für Staaten, zu denen Binnengrenzkontrollen vorübergehend wiedereingeführt worden sind. Grund ist der erhebliche Umfang des vorgenannten Personenkreises, die Infektionsketten sollen unterbrochen werden.

Wie der Ausfall der ausländischen Erntehelfer allerdings kompensiert werden soll ist offen. Insbesondere die Spargelbauern trifft es in dieser Phase schwer. „Unsere Arbeitskräfte kamen überwiegend aus Rumänien. Es fehlen uns aber auch die fachkundigen Vorarbeiter“, so Sigrid Wendel. Positiv sieht die Geschäftsfrau, dass sich sehr viele inländische Helfer aus allen Berufsgruppen direkt bei ihrem Unternehmen angeboten haben. Fast 100 Anfragen habe sie bekommen. Problemtisch ist allerdings, dass die Personen aufgrund des Kurzarbeitergeldes nur einen bestimmten Betrag dazuverdienen könnten und einen 450 Euro – Job wollen. Dies bedeute ungefähr nur zehn Stunden in der Woche. Zudem müssen die Kräfte eingearbeitet werden. Die Intension des Unternehmens liegt aber darauf, Helfer zumindest für drei bis fünf Tage wöchentlich anzustellen, zumal man zurückliegend überwiegend Vollbeschäftigung hatte.

Bislang 30 Helfer

Circa 30 Helfer sind zwischenzeitlich eingetroffen. „Das reicht für die Spargelernte natürlich nicht“, so Wendel. Die Hoffnung liegt nun darauf, dass Anfang April diese Beschränkung wieder gelockert wird. Aber die Zeit wird knapp. Am Wochenende will der Spargel- und Obsthof Wendel mit der Ernte beginnen. „Die Bundesregierung sollte ein Interesse daran haben, dass die Ernährung langfristig gesichert ist. Wenn die Landwirtschaft nun in die Knie geht, gibt es auch keine Produktion mehr“. Auch der Deutsche Bauernverband argumentiert in diese Richtung und fordert, den Einreisestopp so kurz wie möglich zu halten. „Das Einreiseverbot für unsere Saisonarbeitskräfte trifft unsere Betriebe in der jetzigen Phase sehr hart Es muss kurzfristig unbürokratische und praktikable Lösungen geben, um Menschen in und aus Deutschland beschäftigen zu können.“, erklärte Bauernpräsident Joachim Rukwied. 

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