Pfungstädter Brauerei möchte alten Standort zurückkaufen und weiterentwickeln

Neubewertung nach Analyse von Risiken und technischen Anlagen

Bild © Pfungstädter Brauerei

Die Pfungstädter Brauerei will das alte Brauereigrundstück in der Innenstadt zurückkaufen und zu einem modernen Brau- und Kulturzentrum weiterentwickeln. In Pfungstadt konnte bisher kein geeigneter Standort für einen Neubau gefunden werden. Deshalb sucht die Brauerei das Gespräch mit der Stadt und dem neuen Grundstückseigentümer, dem Quartier Stadtgärten Pfungstadt, und stellt ihr Vorhaben am 26. Mai auf einer nichtöffentlichen Informationsveranstaltung der Stadt vor.

Bereits sechsstelliger Betrag investiert

Seit Übernahme der Brauerei im Dezember letzten Jahres arbeitet der neue Gesellschafter Uwe Lauer mit seinem Team intensiv an einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell und hat bereits einen sechsstelligen Betrag in die Modernisierung der Anlagen und Gebäude investiert. Trotz Corona-Krise entwickelt sich die Brauerei wirtschaftlich gut. Aber ein Neubau scheitert bisher an der Grundstücksfrage. Auch ein Verbleib des Kerns der Brauerei auf 11.000 qm und ein Neubau nur für Abfüllung und Logistik scheidet aus, da zwei Standorte unwirtschaftlich sind, Tank- und Kühlanlagen doppelt vorgehalten werden müssten und die Verkehrsbelastung steigen würde.

„Die beste, einfachste und am schnellsten umsetzbare Lösung ist ein Verbleib am alten Standort der 189 Jahre alten Traditionsbrauerei. Dort möchten wir die Brauerei modernisieren, die denkmalgeschützten Bauten restaurieren und zu einem öffentlichen Kulturzentrum inklusive Gastronomie entwickeln. Die Situation ist ähnlich wie beim Böllenfalltor, dem Stadion der Darmstädter Lilien. Nach erfolgloser Suche eines neuen Standorts entschied man sich doch noch für den Stadionumbau – ein Erfolgsmodell auch für Pfungstadt“, erklärte Uwe Lauer, Gesellschafter der Pfungstädter Brauerei GmbH.

Da sich kein Käufer für Grundstück und Brauerei fand, waren sie im letzten Jahr während des Schutzschirmverfahrens getrennt veräußert worden. Im August hatte Investor Daniel Hopp mit dem Wohnungsbauunternehmen Conceptaplan das rund fünf Hektar große Grundstück von den damaligen Gesellschaftern erworben. Die von ihnen gegründete Quartier Stadtgärten Pfungstadt will dort ein modernes Wohnquartier errichten und hat der Brauerei bis Ende 2023 eine Nutzung in der bisherigen Form zugesichert. Danach könnten noch bis zu 5.000 qm für die Brauerei genutzt werden.

Ursprünglicher Neubauplan vom Tisch

Uwe Lauer plante ursprünglich einen modernen Brauereineubau mit einem Abfüll- und Logistikzentrum im Industriegebiet und einem trendigen BrewPub im historischen Maschinenhaus. In diesem Jahr sollten die Pläne konkretisiert und vorgestellt werden. Die Geschäftsleitung hat deshalb die Risiken und verschiedenen Optionen eines Neubaus eingehend geprüft. Der geplante Neubau auf dem Sportgelände der Germania ist nicht durchsetzbar und auf dem Gelände im Industriegebiet Nord-West scheitert er an Brunnenrechten und einer Hochspannungsleitung.

Ungelöste Standortfrage

Als Alternative hat man dann die bestehenden Anlagen und Gebäude nochmals eingehend überprüft. Mit Peter Winter von der Radeberger Brauerei, der im Januar zum technischen Geschäftsführer bestellt wurde, konnte ein Experte für Brauereineubauten und die Modernisierung alter Anlagen gewonnen werden. Bei einer großen Brauerei konnte er vor einigen Jahren den Instandhaltungsstau auflösen und die Brauerei auf den neuesten Stand bringen. Diese Chance besteht nach seiner Analyse auch in Pfungstadt. Da viele Jahre wenig in Technik investiert wurde, müssen zunächst Instandhaltung und Wartung verbessert werden. Die Anlagen würden Schritt für Schritt in einem Zeitraum von etwa 10 Jahren erneuert, automatisiert und digitalisiert. Am alten Standort entstünde dann eine energieeffiziente Brauerei, die Tradition und Moderne verbindet. Bisher hat der neue Eigentümer bereits über eine halbe Million Euro in die Modernisierung der Wasser- und Energieversorgung und neue Steuerungssoftware investiert. Als nächstes stünde unter anderem auch die Restaurierung der denkmalgeschützten Brauereigebäude auf dem Programm.

„Angesichts der ungelösten Standortfrage würde die Brauerei deshalb gerne das gesamte Grundstück zurückkaufen. Unsere Finanzierung für den Rückkauf steht. Mit der Modernisierung würde unser alter Standort aufgewertet und über ein Kulturzentrum mit Brauereiausschank für die Pfungstädter zu einem attraktiven Stadtmittelpunkt werden. So kann die Brauerei, die Pfungstadt weit über Region hinaus bekannt gemacht hat, wieder wachsen und weitere Arbeitsplätze schaffen. Schließlich versetzt man auch ein Hofbräuhaus nicht ins Industriegebiet“, so Uwe Lauer weiter. (red)

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