Sanner-Group will von Auerbach nach Bensheim umsiedeln

Derzeitiges Betriebsgelände in der Schillerstraße soll Wohngebiet werden

Seit 125 Jahren gibt es die zwischenzeitlich in vierter Generation geführte Firma Sanner GmbH. in Auerbach und hat sich in dieser Zeit zu einem der führenden internationalen Hersteller von pharmazeutischen Primärverpackungen und Medizintechnikprodukten mit weltweit vier Standorten und zum Weltmarktführer für Trockenmittelverschlüsse entwickelt. Auch am wichtigsten Standort in der Auerbacher Schillerstraße wuchs das Unternehmen unübersehbar – mit all seinen Begleiterscheinungen in einem Wohngebiet. Jetzt der Schnitt: die Sanner-Group verlässt Auerbach, verbleibt aber mit ihrem Hauptsitz in Bensheim. „Wir haben in den letzten Jahren viel unternommen, sind aber nicht da, wo wir hinwollen. Wir lebten als Firma mit Kompromissen und mussten handeln“, erläuterten die beiden Gesellschafter Ute Sanner-Friedrich und Jürgen Sanner am heutigen Mittwochvormittag (19. August) in einer im Vortragssaal von Sanner Ventures GmbH. abgehaltenen Pressekonferenz.

Win-Win Situation für alle Beteiligte

„Für uns ist es ein Tag der Freude mit einem für Bensheim herausragenden Ergebnis und einer Win-Win-Situation für alle Beteiligte“, verdeutlichte Bürgermeister Rolf Richter, bleibt doch die Sanner-Group Bensheim auch in Zukunft als großer Arbeitergeber und nicht zuletzt mit seinen 85 Millionen Gruppenumsatz auch als Gewerbesteuerzahler erhalten. Für den neuen Standort des Unternehmens im Stubenwald II werden einige Hebel in Bewegung gesetzt. So muss eine Fläche von 30000 Quadratmeter explizit für die Firma Sanner neu ausgewiesen und Bebauungsplan und Flächennutzungsplan entsprechend geändert werden, wenn auch das angedachte Areal von vorneherein Teil des Stubenwald II ist. „Dies hätten wir nicht für jede Firma gemacht. Sanner ist aber bereits seit 1894 als Familienunternehmen mit Bensheim beziehungsweise Auerbach eng verwurzelt. 225 Mitarbeiter sind am Standort Auerbach aktuell beschäftigt, davon fast 90 Prozent aus einem Umkreis von 25 Kilometer, davon wiederum über ein Drittel aus Bensheim“, so Richter. Grünes Licht gab bereits am heutigen Vormittag der Magistrat der Stadt Bensheim, jetzt folgt schon in der nächsten Sitzungsrunde, am 17. September, der Grundsatzbeschluss der Stadtverordnetenversammlung. Die Sitzung des Auerbacher Ortsbeirates findet am 31. Oktober statt. Das Baurecht im Stubenwald wird für Ende 2021 angestrebt.

Den Umzug in das Bensheimer Gewerbegebiet Stubenwald II plant die Auerbacher Firma Sanner GmbH. Auf dem derzeitigen Betriebsgelände sollen nach Möglichkeit Wohnungen entstehen. Unser Bild zeigt von links den Geschäftsführer der Sanner Group, Johannis Willem van Vliet, die Gesellschafter Ute Sanner-Friedrich und Jürgen Sanner sowie Bürgermeister Rolf Richter.

Infrastruktur passt in Auerbach nicht mehr

Ihren Ursprung hatte die Firma Sanner einst mit der Eröffnung einer Korkschneider in der Bachgasse 94, im Jahre 1927 erfolgte dann der Umzug an den Auerbacher Bahnhof. Damals am Rande von Auerbach, jetzt in einem Wohngebiet. „Die Infrastruktur passte einfach nicht mehr, ein lautloses Arbeiten war unmöglich. Nachts laufen Geräte, Produktionslärm lässt sich nicht vermeiden, wir arbeiten in einem Zwei-Schichtbetrieb mit an und abfahrenden Autos. Lkw`s müssen zum Be- und Entladen in die Schillerstraße“, zählte Jürgen Sanner mühelos einige der Problempunkte auf. Zudem muss das Unternehmen modernisieren und erweitern. „Wesentliche bauliche Veränderungen waren, beispielsweise durch die dann zu geringe Höhe der Gebäude einfach nicht mehr umsetzbar“, erklärte auch der Geschäftsführer der Sanner Group Johannis Willem van Vliet. „Wir wollten aber auf jeden Fall in Bensheim bleiben, den nächsten zukunftsweisenden Schritt in unserer Heimatgemeinde gehen und suchten daher bereits Anfang des Jahres das Gespräch mit der MEGB“.

Die Machbarkeitsstudie Stubenwald II.

Grünster Bebauungsplan Bensheims

Das Areal im Stubenwald II entspricht in seiner Größe in etwa der Fläche in Auerbach, bietet aber andere Möglichkeiten für einen Wachstum. Zur Unternehmensphilosophie gehört bei Firma Sanner auch die Nachhaltigkeit. Wie Michael Schweiger, vom Bensheimer Planungsbüro Schweiger und Scholz ausführte, gehört dazu auch eine „grüne Architektur“, wie beispielsweise begrünte Dächer, Fassadenbegrünungen, umfangreiche Baum- und Staudenpflanzungen im Außenbereich, Hecken für Einfriedungen, naturnahe Grünlandeinsaat und Teichanlagen. Ebenso vorgesehen ist die Entwicklung eines Energiekonzeptes mit regenerativen Energien. „Dieser Bebauungsplan ist der grünste den die Stadt Bensheim bislang aufgelegt hat“, erklärte Schweiger den Anwesenden. Darüber hinaus soll auf bereits im Regionalplan festgeschriebene drei Hektar Vorranggebiet für Siedlungsflächen verzichtet werden. „Das zukunftsfähige Strukturkonzept erfüllt alle Voraussetzungen der Machbarkeitsstudie“, ergänzte auch Architekt Frank Hoffmann von den Zimmermann Architekten.

170 bis 230 Wohnungen möglich

Zu den Gewinner der Umsiedlung der Firma Sanner GmbH. von ihrem Areal in der Schillerstraße in das Gewerbegebiet Stubenwald II zählt zweifellos auch Auerbach, strebt die Sanner-Gruppe doch auf dem jetzigen Betriebsgelände die Schaffung von Wohnraum an.   Zwischen 170 und 230 Wohnungen sind je nach Planung möglich und dies für alle Altersgruppen. „Das Gelände ist für Geschosswohnungsbau geeignet, dazu gehören auch behindertengerechte und barrierefreie Wohnungen. 25 Prozent stünden für sozialen Wohnungsbau zur Verfügung. Alles in allem eine gute Durchmischung“, erläuterte Stadtbaurätin Nicole Rauber-Jung. „Wir wollen ein familienfreundliches, ökologisch wertvolles und bezahlbares neues Quartier in Auerbach schaffen“, sagte Ute Sanner-Friedrich.

KITA und Lärmschutzwand

Geplant wird auf dem Areal auch eine weitere Kindertagesstätte und ganz wichtig für den gesamten Bereich – bahnseitig eine Lärmschutzwand. Auch für dieses circa 30.000 Quadratmeter große Gelände muss formal ein Bebauungsplan aufgerufen werden. „Mit dem Baurecht rechnen wir allerdings ersten in den Jahren 2024/25“, so die Erste Stadträtin. Den Kontakt zu Auerbach verlieren wird Sanner aber auch in Zukunft nicht. „Sanner Ventures“ bleibt an ihrem jetzigen Standort in der Schillerstraße erhalten“, versprachen die beiden Gesellschafter Sanner-Friedrich und Jürgen Sanner.

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