Stubenwald II: Bepflanzte Erdwälle, 270 Bäume sowie arten- und blütenreiche Wiesen

MEGB betreibt Wirtschaftsförderung im Einklang mit der Natur

Wertvolle neue Lebensräume im Rahmen des Natur- und Artenschutzes wurden seitens der MEGB im Gewerbegebiet Stubenwald II geschaffen. Bild © ps

Wer an Gewerbegebiete denkt, dem kommen unweigerlich Bilder von grauem Beton in den Sinn. Die MEGB erbringt in Bensheim seit Jahren den Beweis, dass Platz für Wirtschaftsunternehmen entstehen kann, ohne dass die Natur dabei zu kurz kommt. Denn moderne Gewerbegebiete sind weit weg von Betonwüsten und ungehemmter Flächenversiegelung. Bestes Beispiel dafür ist das Gewerbegebiet Stubenwald II.

18.000 Quadratmeter bepflanzte Erdwälle

Auf den verschiedenen Flächen wurden auf fast 18.000 Quadratmeter bepflanzte Erdwälle hergestellt, denen ein Krautsaum vorgelagert ist. Zu 80 Prozent wurden Sträucher und zu 20 Prozent Bäume gepflanzt. Die Maßnahme dient der Schaffung von Bruthabitaten für die heimische Vogelwelt, aber auch als Deckung zum Beispiel für Rehwild. Zudem erfolgt mit der Anpflanzung der Gehölzflächen eine Biotopwerterhöhung gegenüber der früheren Ackerfläche und hierdurch ein Teil des Ausgleichs, der durch die Gewerbenutzung verursachten Eingriffe in Natur und Landschaft. Schon jetzt lässt sich erahnen, dass die Gewerbegebäude in wenigen Jahren durch die bepflanzten Wälle nahezu vollständig verdeckt und im Landschaftsraum zwischen Bensheim und Lorsch nicht mehr sichtbar sein werden.

Ausgleichsmaßnahmen von Bebauungsplänen

Weitere Flächen im Stubenwald II wurden als artenreiche und blütenreiche Wiesen mit regionalem Saatgut hergestellt und sind künftig extensiv zu bewirtschaften. Hier können Landwirte Heu oder Frischfutter produzieren. Düngen und der Einsatz von Pestiziden ist dabei nicht zulässig. Zudem entwickeln sich blütenreiche Wiesen für Insekten.

Im Stubenwald II werden außerdem Ausgleichsmaßnahmen von anderen Bebauungsplänen übernommen: Auf insgesamt über 21.000 Quadratmetern wurden sogenannte Altgras-Streifen hergestellt, die als Rückzugsflächen für wildlebende Arten dienen. Ebenso wurde auf 2.000 Quadratmetern eine Gehölzfläche aus speziell für die Vogelart Neuntöter geeigneten Sträucher angelegt. Auf fast 30.000 Quadratmetern wurden Wiesenflächen hergestellt und mit Obstbäumen bepflanzt. Auch diese Bereiche können künftig durch Landwirte bewirtschaftet und zur Futterproduktion genutzt werden. Die Maßnahmen wurden insgesamt so vorgesehen, dass für möglichst große Flächen eine Nutzung durch die Landwirtschaft auch weiterhin möglich bleibt beziehungsweise umgekehrt möglichst wenige Ausgleichsflächen der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen werden.

4.000 Quadratmetern als Blühflächen

Entlang der Wege wurden Saumstreifen auf insgesamt über 4.000 Quadratmetern als Blühflächen mit regionalem Saatgut hergestellt und sind jetzt dauerhaft zu bewirtschaften. Diese Saumstreifen dienen als Rückzugsflächen für wildlebende Arten sowie Blühflächen für Insekten. Auf den verbleibenden Ackerböden sind insgesamt fünf Blühstreifen auf je 1.000 Quadratmetern herzustellen. Die Blühstreifen werden durch den bewirtschaftenden Landwirt alle zwei Jahre wieder umgebrochen und neu mit blütenreichen Saatgutmischungen angelegt. Das sichert dauerhaft den Lebensraum von verschiedenen bodenbrütenden Vögeln.

An der Kreuzlache wurde das Grabenprofil aufgeweitet und Grabentaschen hergestellt. Zudem wurden entlang des Grabens heimische Strauchsäume angelegt, die Deckung für Rehwild geben und auch für Abstand zwischen Gewässer und Ackerflächen sorgen. In dem renaturierten Gewässerabschnitt wurden nach der Maßnahme schon eine erheblich gestiegene Population der Fischart Schlammpeitzger und auch der Kammmolch beobachtet.

270 Bäume auf MEGB-Flächen angepflanzt

Auf den knapp 5.500 Quadratmetern öffentliche Grünflächen im Gewerbegebiet wurden artenreiche Gebiete hergestellt. In Summe wurden 270 Bäume auf MEGB-Flächen angepflanzt. Und das auf Böden, auf denen vorher nicht ein Baum gestanden hat.

Alle Maßnahmen werden von externen Experten begleitet, die die Auswirkungen insbesondere für geschützte Arten beobachten und dokumentieren. „Im Gewerbegebiet Stubenwald ist es sehr gut gelungen, die Natur im Blick zu behalten: Mit einer Vielfalt von Gestaltungs- und Ausgleichsmaßnahmen wurde um das Gebiet ein grünes Band gelegt. Davon profitiert die Natur, denn seltene Tierarten konnten neue Quartiere beziehen. Aber auch der Mensch gewinnt, denn zum modernen Wirtschaftsstandort ist ein optisch ansprechender neuer Gebietsrand mit großer Erholungsqualität entstanden“, sagt Landschaftsarchitektin Anette Ludwig.

Hohe Erwartungen an Natur- und Artenschutz

„Insgesamt sind die Anforderungen des Natur- und Artenschutzes an die kommunalen Bauleitpläne heute umfangreicher denn je“, stellt Michael Schweiger vom beratenden Ingenieurbüro Schweiger und Scholz fest. Nicht nur der Gesetzgeber erhöhe stetig die Anforderungen, auch auf Seiten der Bürger bestehe heute eine ganz andere Erwartungshaltung als noch vor wenigen Jahren. „Mit dem 2013 beschlossenen Gewerbegebiet Stubenwald II und dessen umfangreichen Eingrünungs- und Ausgleichsmaßnahmen war die Stadt Bensheim insofern bereits der Zeit voraus und beweist, dass Bauen und Naturschutz kein Widerspruch sein muss.

Gerade durch Ausgleichsmaßnahmen wurden sogar wertvolle neue Lebensräume für geschützte Arten geschaffen“, führt Schweiger weiter aus. Die kontinuierliche Überwachung durch einen Fachgutachter bestätigt diese Annahme. Schweiger geht davon aus, dass insgesamt eine deutlich höhere Biodiversität und Artenvielfalt gegeben sein wird als vor Beginn der Planungen. Damals präsentierten sich die Flächen als weitgehend ausgeräumte Ackerflächen. (ps)

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