Bebauungsplan LIDL-Markt ruht zurzeit

Interview mit neuen Bensheimer Stadträtin Nicole Rauber-Jung

Sie trat kein leichtes Amt an: Bensheims neue Erste Stadträtin Nicole Rauber-Jung. Seit Anfang Oktober ist sie nun als Nachfolgerin des in Pension gegangenen Baustadtrats Helmut Sachwitz im Amt. Die Bürde Haus am Markt mit Innenstadtgestaltung, weniger Gestaltungsraum durch die in naher Zukunft abgeschafften Straßengebühren, Bürgerhaus Bensheim und ein Stapel von Wünschen von Bürgern aus der Kernstadt und den Stadtteilen. Problemfelder, die allerdings für die Städtebauarchitektin und Stadtplanerin eher eine Herausforderung als eine Belastung darstellen. Erfahrung genug bringt die 51-jährige aus ihrer vorherigen Tätigkeit als Stadtplanerin in Kelkheim im Taunus jedenfalls mit und Bensheims erste hauptamtliche Stadträtin hat den Anspruch mitzugestalten. Wie sprachen mit Nicole Rauber-Jung über ihre ersten Eindrücke:

Frau Rauber-Jung sie sind jetzt knapp einen Monat in Bensheim und im Amt? Wie ist ihr erster Eindruck von Bensheim und ihren neuen Arbeitsplatz?

Rauber-Jung: Bensheim ist ungemein vielfältig. Und ich wurde überall sehr freundlich willkommen geheißen. Von den Teams im Rathaus erhalte ich eine großzügige Unterstützung. Probleme habe ich allerdings in der Kürze der Zeit noch mit dem Merken von Namen. Da bitte ich um Verständnis…

Zurzeit sind Sie dabei sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Was liegt auf ihrem Schreibtisch?

Rauber-Jung: Ich bin dabei mich einzuarbeiten. Auf meinem Schreibtisch liegen viele Projekte und Fragen aus den unterschiedlichsten Gruppierungen und Gremien. Zurzeit muss ich Prioritäten zu setzen und kann daher nicht alles schnellstmöglich bearbeiten und beantworten.

In Bensheim stehen zurzeit große Probleme auf der Agenda. Marktplatz mit Innenstadt-Dialog, Bürgerhaus, Neumarkt mit der aktuellen Situation, dass der Vertrag für die Tiefgarage gekündigt wurde. Wie schätzen Sie in der Kürze der Zeit die Situation ein?

Rauber-Jung: Wir müssen die gesamte Innenstadt betrachten und als Ganzes sehen. Wir müssen prüfen, was es schon gibt an Konzepten und eine Idee für die Innenstadt entwickeln, die über eine städtebauliche bzw. architektonische Gestaltung hinausgeht. Diese Idee darf nicht statisch sein, sondern muss immer wieder evaluiert – also überprüft – und bei Bedarf auch modifiziert/angepasst werden.

Eine Einbeziehung aller Nutzergruppen ist wichtig. Und wir werden dafür einen Beteiligungsprozess entwickeln, der einen möglichst breiten Konsens zur Folge hat.

Aber eines ist klar: Man kann es nicht jedem recht machen, Kritiker wird es immer geben.

In der Innenstadt gibt es viele Leerstände? Wird die Innenstadt einfach zu schlecht geredet?

Rauber-Jung: Bensheim hat eine sehr attraktive Innenstadt. Das ist bei weitem nicht so schlimm, wie das viele darstellen wollen. Die Innenstadt ist vielfältig, hat viele hochwertige Geschäfte, einen Wochenmarkt und Gastronomie. Es gibt viele Aktivitäten und gute Ideen, die zur Belebung beitragen. Vieles liegt auch am Bürger selbst. Oft sind es die Gleichen, die klagen und dann im Internet kaufen. Eine attraktive Innenstadt ist die Aufgabe aller Akteure. Stadtplanung kann das alleine nicht lösen. Die Belebung der Innenstadt hängt mit viel mehr zusammen, das ist ein Prozess.

Das Thema Straßengebühren ist abgehakt. Haben Sie schon Ideen wie diese wegfallenden Gelder aufgefangen werden können? Bleiben bei den notwendigen Einsparungen noch Mittel für einen Gestaltungsraum?

Rauber-Jung: Einsparungen sind natürlich schwierig.Ein Großteil der Gelder sind im Rahmen der Kinderbetreuung gebunden und werden dort benötigt. Wir müssen uns über ein Straßenbauprogramm Gedanken machen – ähnlich den Feuerwehrbedarfsplänen. Unsere Straßen und Wege sind das Rückgrat unserer Stadt, die wir nicht vernachlässigen dürfen. Ein Straßenzustandskataster wird ja bereits geführt, damit müssen wir verantwortungsvoll umgehen. Insgesamt müssen auf allen Gebieten Prioritäten gesetzt werden.

Schauen wir nach Auerbach. Seitens des Ortsbeirates wurden Vorschläge zur Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes gemacht. Wie ist der Sachstand?

Rauber-Jung: Anfang des kommenden Jahres wird es eine Projektvorlage geben, die dann im Ortsbeirat und den städtischen Gremien vorgestellt wird.

Es gibt einen Antrag von Lidl den Markt an der Darmstädter Straße zu erweitern. Der Ortsbeirat brachte zur Verbesserung der Parksituation im Ortskern in diesem Zusammenhang ein Parkdeck auf dem jetzigen Parkplatz ins Gespräch, da von der Topografie das Grundstück ohnehin tiefer liegt. Gibt es schon eine Reaktion von Lidl?

Es liegt zurzeit ein Bauantrag der Firma Lidl vor, mit dem Ziel eine Backstation in Richtung Parkplatz an- und einzubauen. Eine großflächige Erweiterung ist nicht vorgesehen. Allerdings ruht der Bebauungsplan und wird in Ansprache mit der Firma Lidl nicht weitergeführt. Das Thema Parkdeck ist daher aktuell kein Gesprächsthema. 

Herzlichen Dank für das Gespräch.

(Das Interview lag Stadträtin Nicole Rauber–Jung schriftlich vor und wurde von ihr freigegeben)

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