Bensheimer Museum wird für Nichtsehende erfahrbar

Das Bensheimer Museum kooperiert mit der Christoffel-Blindenmission (CBM)

Das Bensheimer Museum gestaltet seine Dauerausstellung neu: es will Archäologie „inklusiv“ vermitteln, auch für Menschen mit Sehbehinderungen. Bild © ps

Das Bensheimer Museum gestaltet seine Dauerausstellung neu: es will Archäologie „inklusiv“ vermitteln, auch für Menschen mit Sehbehinderungen. Die Museumsmacher werden dabei unterstützt von der Christoffel-Blindenmission (CBM). Die internationale Entwicklungshilfeorganisation mit Sitz in Bensheim bringt ihre eigene langjährige Expertise in Sachen Inklusion ein. Das ist ein Gewinn für alle, denn erst wenn ein Museum mit allen Sinnen erlebbar wird, beginnt es zu atmen. Das Museum soll im der beschlossenen Corona-Lockerungen am kommenden Donnerstag (14.) wieder öffnen, Details dazu folgen. Die neu gestaltete Dauerausstellung wird derzeit fertig gestellt. Wann sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Ein modernes Kulturzentrum

„Mit der Neugestaltung der Dauerausstellung geht das Museum einen weiteren Schritt in Richtung eines modernen Kulturzentrums“, betont Bensheims Bürgermeister Rolf Richter. „Die Kooperation mit der CBM wertet das Angebot nochmals auf und macht es noch mehr Menschen zugänglich.“ Seit der Gründung des Museums im Jahr 1909 werden archäologische Zeugnisse aus der Region hier gesammelt und ausgestellt. Die letzte Überarbeitung der archäologischen Dauerausstellung fand in den 1980er Jahren statt. Noch in diesem Jahr soll sie wieder im neuen und zeitgemäßen Rahmen erstrahlen. Hier erfährt man Spannendes von der Altsteinzeit bis zum Hochmittelalter. So kann man einem Mammut auf den Zahn fühlen, Schädelmodelle von Neandertaler und Mensch vergleichen und die Vielfältigkeit jungsteinzeitlicher Artefakte auf sich wirken lassen.

Beim Ohrentheater hört man Wissenswertes zum Bestattungsritus der späten Bronzezeit, am nachgebauten Bensheimer Galgenplatz kann man den Hingerichteten nahekommen und am 3D Monitor in das rekonstruierte Gesicht der ältesten Bensheimerin schauen. Ein Blick ins Mikroskop offenbart außerdem den ältesten Traubenkern aus Südhessen.

Auch ein Museumsbesuch ist gesellschaftliche Teilhabe

Im Rahmen der Neugestaltung wird auch großer Wert auf inklusive Vermittlung gelegt: Ziel ist es, dass sich alle Besucherinnen und Besucher die Dauerausstellung selbständig erschließen können, insbesondere auch Menschen mit Sehbehinderungen. Die CBM setzt sich in den ärmsten Ländern der Welt für die Belange der Betroffenen ein. Sie weiß um die vielen Barrieren im Alltag und wie sie überwunden werden können. „Auch ein Museumsbesuch ist gesellschaftliche Teilhabe“, sagt CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus. „Bei der Neugestaltung der Dauerausstellung hat die CBM deshalb auch die Erfahrung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfließen lassen, die selbst sehbehindert sind. Sie bringen den Museumsmachern ihre Welt der Wahrnehmung nahe.“ Davon profitieren letztlich alle Besucher: Denn wenn die Besucherinnen und Besucher auch fühlen oder hören können, was sie sehen, nehmen sie es intensiver wahr. Einfache Sprache erleichtert es allen, die Informationen zu verarbeiten. So können zum Beispiel auch Kinder mehr über ihre Heimat erfahren. (ps)

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