Bensheim hat jetzt erstmals eine Bürgermeisterin

Verabschiedung von Amtsvorgänger Rolf Richter und Ernennung von Christine Klein zum Stadtoberhaupt

Stabwechsel im Bensheimer Rathaus. Als neue Bürgermeisterin wurde am Montag (14.) die Bensheimerin Christine Klein vereidigt. Ihre Ernennungsurkunde nahm sie aus den Händen ihres Vorgängers Rolf Richter entgegen.

Für Bensheim ist es ein Neustart. Seit der am Montagabend (14.) durchgeführten Amtseinführung ist es amtlich: nach 74 Jahren steht erstmals kein CDU-Mann an der Spitze des Rathauses. In das Dienstzimmer im zweiten Stock einziehen wird nach ihrer gewonnenen Stichwahl gegen Amtsinhaber Rolf Richter, die als parteilos angetretene pensionierte Polizeibeamtin Christine Klein. Vollzogen wurde der Schritt in einer in der Bensheimer Weststadthalle durchgeführten Stadtverordnetenversammlung. Der offiziellen Einführung, Verpflichtung, Ernennung und Vereidigung der neuen Bürgermeisterin voraus ging allerdings zunächst eine Formalie. So wurde vom Parlament zum Auftakt der Sitzung erstmal die Gültigkeit der Direkt- und Stichwahl mit einem einstimmigen Votum bestätigt. Im Anschluss wurde der bisherige Amtsinhaber Rolf Richter verabschiedet.

Corona bestimmte Sitzungsablauf

Zumindest in der Sitzung der Bensheimer Stadtverordneten herrschte in Anbetracht der aktuellen Pandemie-Lage in der Bensheimer Stadtverordnetenversammlung ein kleiner Hauch von Normalität. Wenn auch unter anderen Vorzeichen. So verlangte das Hygienekonzept folgerichtig eine Maskenpflicht, Abstände wurden eingehalten, kürzere Redebeiträge, keine Musik und Zuschauer blieben der Zeremonie wie gewünscht weitgehendst fern. Ebenso wurde auf den üblichen Empfang gänzlich verzichtet. Der Ablauf war zwar gezwungenermaßen schmucklos, aber beileibe keine Routineangelegenheit und für Bensheim und nicht zuletzt für die direkt Betroffenen von ganz besonderer Bedeutung.

Mit einer Urkunde wurde Rolf Richter von Erster Stadträtin Nicole Rauber-Jung (links) und Stadtverordnetenvorsteherin Christine Deppert verabschiedet.

Viel Dank an Rolf Richter

In ihrer Rede, in der sie auch Landrat Christian Engelhardt und Landtagsabgeordnete Birgit Heitland, begrüßen konnte, bezeichnete Stadtverordnetenvorsteherin Christine Deppert den Wechsel als Abschied und gleichzeitig hoffnungsvollen Neuanfang. „Ich hätte Dir einen schöneren Abschied gewünscht. Wir waren ein gutes Team“, machte die engagierte Kommunalpolitikern aus ihrem Herzen keine Mördergrube und bedankte sich bei Rolf Richter für seinen unermüdlichen Elan und seine Art auf die Menschen mit persönlicher Ansprache zuzugehen. „Du hast Verantwortung übernommen und Weichen gestellt“, so Christine Deppert und zählte eine Vielzahl von Beispielen, begonnen von der Klimapolitik über wirtschaftlichen Wachstum, der Stärkung der Kitas oder Bensheim als Sportstadt bis hin zu seinem professionellen Einsatz im Rahmen der aktuellen Corona-Pandemie, auf.  

Auch Landrat Christian Engelhardt bedankte sich bei dem scheidenden Bürgermeister mit einer persönlichen Ansprache. „Es gibt Termine auf die man sich mehr freut“, verdeutlichte der Landrat und weiter, „Man konnte Deinen Wunsch für Bensheim zu wirken förmlich spüren. Wir hatten viele gemeinsame Ziele und diese auch umgesetzt“. In Richtung seiner Nachfolgerin appellierte er auf ihn zuzukommen. „Ein Wahlsieg ist immer ein Ergebnis des Wahlkampfes, aber auch ein Vorschuss für die Übernahme von Verantwortung gegenüber dem Bürger“, äußerte Engelhardt. Für den Magistrat und die Rathausmitarbeiter bedankte sich Erste Stadträtin Rauber-Jung. „Du hast viel gefordert, aber auch viel gefördert und legtest oft ein hohes, aber auch strukturiertes, Tempo vor. Unaufgeregt und sachlich. Es war für Alle ein Arbeiten auf Augenhöhe“, lobte die Stadtbaurätin.

Abschiedsworte von Rolf Richter

Im Anschluss stand die Verabschiedung des bisherigen Stadtoberhaupts Rolf Richter auf der Tagesordnung. Für den gebürtigen Bensheimer ein schwerer Schritt, woran er auch in seinen Abschiedsworten, in denen er nicht mit Dank an viele Mitstreiter sparte, keinen Zweifel ließ. Unbestritten setzte er sich in den vergangenen sechs Jahren engagiert zum Wohle seiner Heimatstadt ein und hätte vieles Begonnene gerne erfolgreich zu Ende geführt. „Ein Bürgermeister muss praktisch alle Bereiche abdecken“, so der Bensheimer, der auch die Bewältigung von Aufgaben rund um die Flüchtlingskrise oder die aktuelle Corona-Pandemie in Erinnerung rief. Noch am gestrigen Morgen traf er mit der neuen Bürgermeisterin Christine Klein und dem städtischen Krisenstab Entscheidungen zum Umsetzung des neuerlichen Lockdowns. Auch ein schönes Beispiel für die vom bisherigen Amtsinhaber vollzogene geordnete Amtsübergabe. „Ich war 24 Stunden für die Stadt da und habe es sehr gerne gemacht“, erklärte der 54-jährige abschließend. Für Rolf Richter war das Amt eine Ehre, allein der Wähler entschied anders.

Der Moment der Vereidigung. Die neue Bürgermeisterin Christine Klein (rechts) spricht die von Stadtverordnetenvorsteherin Christine Deppert verlesene Eidesformel nach.

Feierliche Vereidigung

Den feierlichen Akt mit der im Mittelpunkt stehenden Vereidigung von Christine Klein nahm Stadtverordnetenvorsteherin Christine Deppert vor. „Es entspricht dem Zeitgeist, dass immer mehr Frauen Führungspositionen begleiten“, verdeutlichte Deppert. Eine Einschätzung, die auf Bensheim mit den wichtigen Funktionen Bürgermeisterin, Stadtverordnetenvorsteherin und mit Nicole Rauber-Jung als Erste Stadträtin im besonderen Maße zutrifft. Dem Amtseid auf das Grundgesetz und die hessische Verfassung vollzog Christine Klein mit der Formel „so wahr mir Gott helfe“. Die Ernennungsurkunde nahm die neue Bürgermeisterin aus der Hand von Rolf Richter entgegen. Die Amtskette legte ihr aufgrund der Corona-Regeln Ehemann Lothar Klein um.

Erste Rede als Bürgermeisterin

Ihre erste Rede als Bürgermeisterin war für Christine Klein nachvollziehbar ein besonderer Moment, in der sie zunächst den Dank an ihre Wähler für das Vertrauen und den Vollzug des in ihrem Wahlkampf betonten „Klimawechsels“ voranstellte. „Gute Entscheidungen leben von einem Miteinander und Respekt“, verdeutlichte das neue Stadtoberhaupt, das mehrmals die Gemeinsamkeit für ihr künftiges Wirken betonte und für einen offenen Umgang und einen unvoreingenommenen Blick nach vorne plädierte. Auch in Richtung CDU streckte Christine Klein die Hand aus und hoffe auf eine gute Zusammenarbeit. Grundsätzlich sei Bensheim gut aufgestellt. Es gelte aber einzelne Bereiche genauer zu bewerten, die richtigen Schlüsse zu ziehen und Gesamtstrategien unter Einbeziehen der Bürger zu vollziehen. Im Rathaus sei sie gut empfangen worden und konnte bereits einen ersten kleinen Einblick gewinnen. Bei Rolf Richter bedankte sich Christine Klein für seine kollegiale Amtsübergabe und sein Angebot auch in Zukunft für Fragen zur Verfügung zu stehen.

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