Die Jugendherberge Zwingenberg wird geschlossen

Coronakrise fordert von den Jugendherbergen in Hessen herbe Einschnitte

Die Jugendherberge in Zwingenberg schließt! Der finanzielle Druck, der durch die Coronakrise entstanden ist, zwingt den hessische Jugendherbergsverband zu dramatischen Einschnitten. So haben die Jugendherbergen Gießen, Weilburg und Zwingenberg aktuell keine Belegung und werden zum 31. Dezember vom Netz genommen. Marjana Schott sagt als Aufsichtsratsvorsitzende: „Das ist ein herber Verlust für unseren Landesverband, aber die Auswirkungen der Coronakrise lassen uns leider keine anderen Möglichkeiten.“ Timo Neumann ergänzt als Vorstandsvorsitzender: „Die drei Häuser waren in den letzten Jahren immer nur knapp rentabel, Investitionen in die Zukunftssicherung waren schon länger nur zu Lasten unserer anderen 27 Jugendherbergen möglich.“

Gebäude renovierungsbedürftig

Die Jugendherberge Zwingenberg hat 115 Betten in 21 Zimmern. Neumann: „Die Besucherzahlen in den drei Häusern waren in den letzten Jahren auch rückläufig, weil die Häuser über schlechte Sanitärausstattungen, wenige kleine und viele große Mehrbettzimmer verfügen und insgesamt renovierungsbedürftig sind, was aktuell nicht mehr den Erwartungen unserer Gäste entspricht. Investitionen in die Zukunftssicherheit der drei Häuser wären im hohen siebenstelligen Bereich notwendig geworden.“

Corona reißt Loch in Kasse

Die Jugendherbergen in Hessen haben 2017 im Zuge einer großen Betriebsanalyse einen Masterplan aufgestellt, mit dem über 20 Jahre ein Investitionsstau von 75 Millionen Euro abgebaut werden sollte. Die Coronakrise hat nun ein großes Loch in die Tasche des Verbandes gerissen. Wie berichtet fehlen dieses Jahr, ausgelöst durch die Coronakrise, im Vergleich zu den Vorjahren über 75 Prozent Umsatz und bis zu einer halben Millionen Gäste in den hessischen Häusern. Aufsichtsratsvorsitzender Schott: „Wir zehren gerade von unseren Rücklagen zum Erhalt der Jugendherbergen, die eigentlich für die Neubauten und Modernisierungen der Jugendherbergen in Marburg, Rüdesheim und Wetzlar vorgesehen waren.“

Die Fortführung der vor der Corona-Krise geplanten Bau- und Modernisierungsmaßnahmen ist derzeit unklar. Die Projekte wurden mit Beginn der Krise eingefroren. Die Neubauten der zwei Jugendherbergen an Lahn und Rhein sollten dieses Jahr starten und hätten in Summe etwa 12 Millionen Euro gekostet, der Landesverband wollte diese mit Eigenmitteln, bereits zugesagten Förderungen von Bund, Land und Kommunen finanzieren.

25 Mitarbeiter unmittelbar betroffen

Lilli Scheffke spricht als Hauselternsprecherin, Aufsichtsratsmitglied, Personalratsmitglied und Hausleitung der Jugendherberge Oberreifenberg von „schlimmen Zeiten“ für das hessische Jugendherbergswerk. „Hier geht es nicht nur um drei Gebäude, hier geht es auch um die Arbeitsplätze unserer Kolleginnen und Kollegen, ganz viel Geschichte und ganz viele Geschichten, die unsere Gäste und Freunde erlebt haben.“ Durch die Schließung sind 25 Mitarbeitende der Jugendherbergen unmittelbar betroffen. Neumann: „Wir versuchen hier so sozialverträglich wie möglich zu agieren, einigen Mitarbeitenden konnten wir Alternativen in anderen Häusern anbieten, andere versuchen wir bei der Jobsuche zu unterstützen, was vereinzelnd auch schon erfolgreich war“.

Neben den Mitarbeitenden des DJH sind aber auch potentiell Arbeitsplätze im Umfeld der Jugendherbergen betroffen, pädagogische Programmanbieter, Lebensmittellieferanten und Händler sowie Handwerker, die viel für die Jugendherbergen im Einsatz waren, sind nur einige davon.  Scheffke: „Das alles macht uns betroffen, aber durch die Länge des Betriebsausfalls während der Coronakrise war es für uns schon länger absehbar, dass es sehr schwer wird alle Häuser durch die Krise zu manövrieren. Nun gilt es für uns alle zusammen zu stehen und zu hoffen, dass bald wieder Sicherheit auf dem Reisemarkt entsteht, damit wir nicht noch mehr Häuser schließen müssen.“ (rs-red)

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