Drei Bürgermeister unterzeichnen Resolution gegen Bahn-Trasse A5

Städte beziehen klare Position für Konsens-Trasse entlang der A67/Klage angedroht

Die dritte Resolution anlässlich der aktuellen Variantendiskussion zur Neubaustrecke Rhein/Main - Rhein/Neckar der Städte Bensheim, Heppenheim und Zwingenberg unterzeichneten kürzlich die drei Bürgermeister der Städte Bensheim, Heppenheim und Zwingenberg. Unser Bild zeigt von links Rolf Richter (Bensheim), Dr. Holger Habich (Zwingenberg) und Rainer Burelbach (Heppenheim). Bild © ps

Bereits zum dritten Mal haben die Städte Bensheim, Heppenheim und Zwingenberg mit einer Resolution ihre kategorische Ablehnung gegenüber der Bahn-Trassenführung entlang der A 5 zum Ausdruck gebracht. Unterschrieben wurde das an die DB Netz AG gerichtete Schreiben von den drei Bürgermeistern Rolf Richter, Rainer Burelbach und Dr. Holger Habich. Anlass ist die aktuelle Variantendiskussion zur Neubaustrecke Rhein/Main-Rhein/Neckar, die derzeit von verschiedener Interessensgruppen überwiegend aus dem Raum Darmstadt geführt wird.

Die drei Bergsträßer Kommunen sprechen sich weiterhin für die sogenannte Konsens-Trasse aus, welche die Bündelung der neuen Bahngleise entlang der A 67 vorsieht. Explizit kündigen die drei Kommunen schon jetzt an, im Fall eines Planfeststellungsverfahrens mit einer Trassenvariante entlang der A5 ausdrücklich den Klageweg vorzubehalten.

Hier die 3. Resolution im Wortlaut:

3. Resolution der Städte Bensheim, Heppenheim und Zwingenberg anlässlich der aktuellen Variantendiskussion zur Neubaustrecke Rhein/Main – Rhein/Neckar

Die Städte Bensheim, Heppenheim und Zwingenberg sehen sich durch die aktuelle Variantendiskussion zur Neubaustrecke Rhein/Main-Rhein/Neckar erneut veranlasst, hierzu in Form einer mittlerweile 3. Resolution (nach 2008 und 2019) Stellung zu beziehen. Hintergrund ist die anstehende Festlegung der Vorzugsvariante durch die Vorhabenträgerin (DB Netz) im 4. Quartal 2020 und die in diesem Zusammenhang immer wieder auftauchenden Variantenvorschläge verschiedener Interessensgruppen aus dem Raum Darmstadt – zuletzt seitens der Westwaldallianz (inkl. Fahrgastverband Pro Bahn, Verkehrsclub Deutschland, Greenpeace Darmstadt, Pro Walderhalt und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald) mit der Variante V.4, das heißt zweigleisige Durchfahrung von Darmstadt, Bündelung mit der A5 südlich von Darmstadt bis zur Autobahnanschlussstelle Zwingenberg und von hier aus das Ried querend in Richtung Segelflugplatz Bensheim und weiter zur Anbindung an die A67 zwischen Einhausen und Lorsch. Aus Sicht der Städte Bensheim, Heppenheim und Zwingenberg gibt es eine Vielzahl stichhaltiger sachlicher Gründe, die eine Trassenführung der Neubaustrecke entlang der A67 eindeutig vorzugswürdig erscheinen lassen:

Schnelligkeit und Lückenschluss im Transeuropäischen Netz (TEN) und im europäischen Güterverkehrskorridor Rotterdam-Genua:

Für einen Lückenschluss bedarf es der kürzest möglichen und vor allem geradlinigen Verbindung zwischen den beiden Ballungszentren Frankfurt und Mannheim, um den größt-möglichen Fahr- und Reisezeitgewinn zu erzielen. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund des prognostizierten Anstiegs des schienengebundenen Güterverkehrs bis mindestens 2030. Beide Anforderungen spiegeln sich nur in der Konsenstrasse entlang der A67 mit geradlinigem Streckenverlauf wider und nicht entlang der „gebogenen Trassierung“ entlang der A5.

Bündelung der Ausbaupläne von Straße und Schiene:

Es kann für niemanden einsichtig sein, auf der einen Seite die A67 nördlich von Lorsch auf sechs Spuren zu verbreitern und gleichzeitig die Neubaustrecke entlang der A5 zu bauen und zusätzlich das Ried zwischen den Gemarkungen Zwingenberg und Bensheim in Richtung Lorsch zu queren. Anstatt einer erstmaligen Neuzerschneidung und in weiten Teilen irreversiblen Zerstörung eines intakten Landschaftsausschnittes ist der Ausbau der A67 mit der Neubaustrecke zu bündeln, um somit den Flächen-verbrauch auf das Notwendigste zu minimieren.

Besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis der „Direttissima-Trassen I-III“ entlang der A67:

Diese Varianten weisen eine geringere Reisezeit von Frankfurt nach Mannheim aus und ziehen geringere Baukosten nach sich (kürzere Wegstrecke, keine zweigleisige Tunneldurchfahrung Darmstadts, keine gedeckelte Trassierung durch das Ried und vor allem keine neu zu errichtende Dammlage zur A5).

Lärmsituation:

Von einer A5-Variante sind weitaus mehr Menschen betroffen als bei einer Trasse entlang der A67. Diese Aussage gilt auch bei einer gedeckelten Riedquerung, wie sie in der Untervariante V.4 vorgesehen ist.

Naturschutz und Erholungsfunktion:

Die einseitige Diskussion um die zu er-wartende erhebliche Beeinträchtigung des Jägersburger und Gernsheimer Waldes entlang der A67 missachtet die Natura 2000-Gebiete entlang der A5-Variante, die Gefährdung einer Vielzahl geschützter Arten außerhalb dieser Gebiete, den höheren Flächenverbrauch sowie die zu erwartende erhebliche Beeinträchtigung der landschaftsgebundenen Erholungsfunktion entlang der Bergstraße.

Unterbrochene Siedlungsentwicklung:

Durch eine Trasse entlang der A5 mit entsprechender Riedquerung würde eine infrastrukturelle und optische Trennung der Kernstädte von den Ortsteilen im Westen erfolgen.

Landwirtschaft:

Flächenverlust von Böden in Bereichen mit guter Eignung und die Zerschneidung wertvoller Flächen. Die Nutzung wird massiv erschwert, die landwirtschaftlichen Betriebe in ihrer Existenz gefährdet. Auf den im Regionalplan Südhessen als „Bereiche für die Landwirtschaft“ dargestellten Flächen hat die landwirtschaftliche Nutzung Vorrang vor anderen Flächenansprüchen.

Segelflugplatz Bensheim:

Durch die nördliche Riedquerung kommt es zu einem Konflikt mit dem bestehenden und stark frequentierten Segelflugplatz. Selbst bei gedeckelter Bauweise ist in der mehrjährigen Bauzeit kein Flugbetrieb möglich.

Klimatische Ausgleichsfunktion:

Eine Trassenführung entlang der A5 und ins-besondere durch das Ried zwischen Zwingenberg und Bensheim gefährdet die klimatische Ausgleichsfunktion.

Die Städte Bensheim, Heppenheim und Zwingenberg lehnen die Haupttrassen V und VI entlang der A5 inkl. aller Untervarianten strikt ab und behalten sich im Fall eines Planfeststellungsverfahrens mit einer Trassenvariante entlang der A5 ausdrücklich den Klageweg vor und kündigen diesen bereits jetzt an.

Die unterzeichnenden Städte richten ihre Resolution an die DB Netz AG, verbunden mit der Aufforderung, die umweltfachlich, verkehrlich und wirtschaftlich vorzugswürdigen Varianten entlang der A67 weiter zu verfolgen.

Darüber hinaus erklären die Städte, dass sie nach wie vor die bisherige Konsenstrasse des Kreises Bergstraße entlang der A67 inklusive der entsprechenden Forderungen vollumfänglich unterstützen.

Bensheim, den 02. September 2020

Rolf Richter             Rainer Burelbach                 Dr. Holger Habich
Bürgermeister             Bürgermeister                        Bürgermeister
der Stadt Bensheim    der Stadt Heppenheim         der Stadt Zwingenberg

Nicole Rauber-Jung Christine Bender                  Karin Rettig
Erste Stadträtin           Erste Stadträtin                      Erste Stadträtin
der Stadt Bensheim    der Stadt Heppenheim         der Stadt Zwingenberg

Adil Oyan
Stadtrat
der Stadt Bensheim

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