Impfzentrum Bergstraße: Nur der Impfstoff fehlt noch

Impfzentrum in Bensheim ist startklar/“Schlanker Ablauf“ für Impfung geplant

Nur der Impfstoff fehlt noch: termingerecht wurde das Bergsträßer Impfzentrum im Gebäude Berliner Ring 89, in Bensheim, fertiggestellt. Die Vorlaufzeit war tatsächlich nicht lange. Nach nicht mal drei Wochen Vorbereitungs- und Aufbauzeit ist das Impfzentrum startklar. Parallel lief die Akquirierung von Personal. Rund 600 Bewerbungen sind bei der Personalverwaltung des Kreises Bergstraße eingegangen. Darunter auch 40 Ärzte sowie medizinische Fachangestellte, Gesundheits- und Krankpflegerinnen und -pfleger, Notfallsanitäterinnen und -sanitäter oder Personal für die Verwaltung. Unterstützung erhält das Impfzentrum auch von der Bundeswehr, welche sich zunächst um Verwaltung und Logistik kümmern soll. Aktuell gesucht werden noch Apothekerinnen und Apotheker sowie Pharmazeutische Assistenten. Bewerbungen könnten per E-Mail unter personalmanagement@kreis-bergstrasse.de vorgenommen werden.

Geschätzt 1350 Impfungen täglich

Bei einem eigens von der Kreisverwaltung organisierten Pressetermin konnten sich am Donnerstagnachmittag (17.) -unter Wahrung der Abstands- und Hygieneregeln einschließlich vorgeschriebener FFP2–Maske- die Vertreter der Medien einen ersten Eindruck über die Räumlichkeiten machen. Das Impfzentrum in Bensheim wird wie überall in Deutschland an sieben Tagen in der Woche von 7 bis 22 Uhr geöffnet sein. „Wir gehen unter Volllast von durchschnittlich 1350 Personen am Tag aus, die im ersten Schritt geimpft werden können“, erläuterte der Leiter des Impfzentrums, Markus Stracke, in Anwesenheit von Landrat Christian Engelhardt und Gesundheitsdezernentin Diana Stolz. Zusätzlich werden pflegebedürftige beziehungsweise nicht mobile Personen zu Hause oder in Einrichtungen von mobilen Teams versorgt. Ein Szenario, das insbesondere zum Impfungsbeginn zum Tragen kommen dürfte, werden doch vermutlich in der ersten Phase unter anderem Pflegeheim-Bewohner und Personal von Notaufnahmen, Transplantationsmedizin und Altenpflege sowie Menschen über 80 Jahre geimpft. „Diese Planungen haben wir bereits im Kopf gelöst“, stellte Landrat Engelhardt klar. Los gehen könnte es nach übereinstimmenden Pressebereichten am 27. Dezember. Vorausgesetzt die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) und die EU-Kommission stimmen am 21. Dezember der Zulassung des Impfstoffs zu.

Drei Schichten geplant

Impfzentrums-Leiter Markus Stracke geht davon aus, dass circa 300.000 Impfungen im Kreis Bergstraße durchgeführt werden, vorausgesetzt 60 Prozent der Bevölkerung kommen der freiwilligen Versorgung nach. Bis in die letzten Feinheiten vom Koordinierungsstab als Rundkurs durchorganisiert stehen hierfür im Impfzentrum acht Impfeinheiten zur Verfügung. Vorgesehen hat man einen „schlanken Ablauf“, soll doch der reine Durchlauf von der Registrierung bis zum Verlassen des Gebäudes nur 15 Minuten dauern, mögliche Wartezeiten allerdings nicht mitgerechnet. Hierzu benötigt man in den drei geplanten Schichten jeweils 59 Helfer, zuzüglich von weiterem Personal für zusätzliche Führungs- und Verwaltungsaufgaben. Bedeutet: 200 Vollzeitkräfte sind notwendig, einschließlich Teilzeitkräfte dürften rund 350 Personen im Impfzentrum arbeiten.

Genutzt wird auch ein elektronisches Aufrufsystem, ähnlich wie in der Heppenheimer Zulassungsstelle. Der zu Impfende erhält am Empfang eine Wartemarke mit Impfnummer. Über einen Bildschirm im Wartebereich, aber auch über das Handy -falls man einen zur Verfügung gestellten QR-Code eingescannt hat- erfährt er mit dem Aufruf seiner Nummer die Impfkabine. Über das Handy kann man zuvor auch seine mögliche Wartezeit erfahren.  

Sanitätsraum wie Rettungsfahrzeug besetzt

Vorgesehen ist im Erdgeschoss auch ein Arztzimmer und eine Sanitätsstation, falls unerwartete gesundheitliche Probleme auftreten sollten. „Der Sanitätsraum ist mit Arzt praktisch wie ein Rettungsfahrzeug besetzt“, erklärte Stracke. Um jeweils einen Patienten kümmern sich beim Impfen drei Kräfte, zudem ist ein Arzt für drei Impfräume zuständig. Möglich sind dann auch Erläuterungen zur Impfung und zum Impfstoff, es wird aber auch Belehrungsbögen geben.

Vorbereitung Impfstoff in Reinraum

Das erste Obergeschoss steht den Mitarbeitern zur Verfügung. Hier befindet sich auch der Reinraum, in dem das ursprünglich mit minus 70 Grad angelieferte Material durch Verdünnen in einen impffähigen Zustand gebracht wird. Die Einlagerung erfolgt im Impfzentrum in speziellen Kühlschränken, dann ist der Impfstoff noch fünf Tage haltbar. Unmittelbar vor der Impfung werden aus einer Ampulle fünf Dosen gemischt. Anschließend bleiben nur noch zwei Stunden Zeit dem zu Impfenden die Nadel anzusetzen. Das Gebäude selbst wird einer erhöhten Überwachung unterliegen. „Wir haben Polizeischutz“, so Stracke. Die Lieferung der Impfstoffe an die Länder wird durch den Bund gewährleistet und finanziert. Zudem stellt Hessen eine Hard- und Software mit einem Onlineportal und zur Terminvereinbarung sowie zur Abwicklung und Dokumentation der Impfungen bereit. Die Impfung selbst ist freiwillig und für den Bürger kostenlos. Laut Landrat Engelhardt werden sich die Kosten für das Impfzentrum Bergstraße deutlich auf über eine Million Euro belaufen, welche allerdings nicht vom Kreis getragen werden müssen.

Noch nicht ganz klar ist, wie die Verständigung der Patienten erfolgen wird. Diese soll nach derzeitigem Stand bundeseinheitlich erfolgen. Der Bürger erhält demnach von zentraler Stelle eine Einladung, ohne Benachrichtigung ist eine Impfung nicht möglich.  

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