Liebfrauenschule muss in Bensheim bleiben

Stellungnahmen von Landrat Engelhardt und Bürgermeister Richter zum Entscheid des Bistums Mainz die Trägerschaft aufzugeben

Die gestrige Nachricht schlug ein wie eine Bombe und schockt Bensheim. Das katholische Bistum Mainz will sich aus der Trägerschaft der Liebfrauenschule Bensheim zurückziehen. Mit einer Pressemeldung informierte das Bistum über Pläne zur Neustrukturierung des Bildungs- und Tagungsbereiches und reagiert damit auf die Umbruchsituation der Katholischen Kirche in Deutschland und die eigenen sinkenden finanziellen Möglichkeiten. So wird insgesamt an fünf der 18 katholischen Schulen die Trägerschaft des Bistums Mainz nicht fortgeführt sowie drei Tagungshäuser des Bistums geschlossen. Darunter neben der Liebfrauenschule auch das Haus am Maiberg in Heppenheim.  

160-jährige Geschichte

Auf Gegenliebe stieß dieses Vorhaben beim Schulträger im Kreis Bergstraße und im Bensheimer Rathaus logischerweise nicht, kann doch die als Höhere Töchterschule gegründete Einrichtung zwischenzeitlich auf eine circa 160 Jahre alte Geschichte zurückblicken. Auch heute noch wird die Schule als privates katholisches Mädchengymnasium mit Realschulzweig betrieben und verfügt in der Schullandschaft über einen ausgezeichneten Ruf. Mit Stellungnahmen beziehungsweise Pressemeldungen gingen am heutigen Vormittag Landrat Christian Engelhardt und Bürgermeister Rolf Richter an die Öffentlichkeit:

Stellungnahme von Landrat Christian Engelhardt:

Landrat Christian Engelhardt stellt sich gegen eine Schließung der Liebfrauenschule: „Wir werden alles daransetzen, die Schule in ihrer heutigen Form zu erhalten, denn sie ist als katholische Mädchenschule ein wichtiger Bestandteil unserer Schullandschaft und bereichert die Vielfalt unseres Schul-Portfolios sehr.“ Man werde als Kreis intensive Gespräche mit der Kirche führen und die bestmögliche Lösung suchen. „Unser Ziel als Schulträger ist es, dass die Schülerinnen der Liebfrauenschule an ihrer Schule bleiben können und dort weiterhin beschult werden“, betont der Verwaltungschef. Der Landrat geht davon aus, dass die Überlegungen des Bistums nur langfristig greifen und deshalb mindestens auch das Schuljahr 2021/2022 mit der Einschulung neuer Sekundanerinnen des Realschul- und Gymnasialzweigs beginne. Zudem werde der Landrat kurzfristig Kontakt zur Schulleitung, wie auch zum Schulelternbeirat aufnehmen. (kb)

Stellungnahme Bürgermeister Rolf Richter:  

Das Vorhaben des Bistums Mainz, sich aus der Trägerschaft der Liebfrauenschule Bensheim zurückzuziehen, stößt in Bensheim auf Unverständnis – auch an der Spitze der Verwaltung. Bürgermeister Rolf Richter kommentiert die Entscheidung des Bistums: „Die dargestellten finanziellen Argumente sind zwar nachvollziehbar, doch wiegen sie aus meiner Sicht nicht auf, welche Verantwortung die Kirche im Bereich der Bildung trägt und welche Chancen sie hier hat, junge Menschen zu erreichen und christlich zu prägen.“ Nicht nur in städtebaulicher Hinsicht, so Richter weiter, sei die Liebfrauenschule im Herzen Bensheims verankert. „Mit einer mehr als 160-jährigen Tradition sind die ‚Englischen Fräulein‘ und die daraus erwachsene, überaus lebendige und moderne Schulgemeinschaft aus unserer Stadt nicht wegzudenken. Die Liebfrauenschule muss am Standort Bensheim erhalten bleiben. Wir wünschen uns, dass die Verantwortlichen des Bistums Mainz ihre Entscheidung noch einmal überdenken und die Trägerschaft der Liebfrauenschule Bensheim weiterführen“, so der Bürgermeister.

Liebfrauenschule hat einzigartiges Konzept

Dafür gebe es eine Reihe guter Gründe. Der über die Stadtgrenzen hinaus exzellente Ruf der Liebfrauenschule, der in hohem Maß auch zum positiven Image der Schulstadt Bensheim beitrage, basiere vor allem auf ihrem einzigartigen Konzept, so Rolf Richter: „Als Mädchengymnasium in der Tradition Mary Wards bietet die Liebfrauenschule Schülerinnen besondere Entwicklungsmöglichkeiten – vor allem in den ‚MINT‘-Fächern, in denen Mädchen im koedukativen Rahmen häufig weniger Beachtung finden oder sich weniger zutrauen.“ Eine weitere Besonderheit der Liebfrauenschule ist der integrierte Realschulzweig, der schulintern den Wechsel von der Realschule ins Gymnasium oder umgekehrt ermöglicht. „Viele Eltern und Schülerinnen haben sich aufgrund dieser Faktoren bewusst für die Liebfrauenschule entschieden. Dieses Konzept ist erfolgreich und hat seinen Platz in unserer Schullandschaft. Es sollte deshalb unbedingt beibehalten werden“, betont Richter.

Christliche Werte vermittelt

Besonders geprägt sei die Liebfrauenschule aber auch durch ein christliches Menschenbild und ihre wertorientierte Bildung, führt der Bürgermeister weiter aus: „Dass sich das Bistum aus einer Schulgemeinschaft zurückziehen möchte, die mit ihrem sozialen Engagement als Leuchtturm für christliches Leben in unserer Stadt gilt, halte ich für einen Fehler. Denn wo sonst, wenn nicht in ihren Bildungseinrichtungen, hat die Kirche die Möglichkeit, mit den Menschen in Verbindung zu treten – insbesondere mit den jungen Menschen, die für den Fortbestand der Kirche als Institution, aber auch für die Weitergabe christlicher Werte in unserer nach Orientierung suchenden Gesellschaft von zentraler Bedeutung sind.“

Bistum muss Perspektive bieten

Sollte die Kirche bei ihrer Entscheidung bleiben, sich von der Liebfrauenschule Bensheim zu trennen, stehe sie laut Richter nun in der Verantwortung, die Schule geordnet in eine neue Trägerschaft zu übergeben und dabei allen Beteiligten – Eltern, Schülerinnen, dem Kollegium und der Stadt Bensheim – eine sichere Perspektive zu bieten. „Das gilt vor allem in Hinblick auf die kommenden neuen Jahrgänge: Eltern, Schülerinnen und Lehrkräfte müssen sicher sein können, dass der Schulbetrieb weitergeht.“ Die Stadt Bensheim weist zudem auf die Verantwortung des Bistums als Eigentümer der Gebäude hin, die derzeit von der Schule genutzt werden: „Es ist wichtig, dass die Kirche auch einem künftigen Träger gute Bedingungen für die schulische Nutzung der Gebäude bietet, damit die Liebfrauenschule an ihrem Standort bleiben kann.“ Auch sollten laufende Renovierungen noch durch den jetzigen Träger abgeschlossen werden. Der Bensheimer Bürgermeister möchte nun so schnell wie möglich Gespräche mit den Vertreterinnen und Vertretern der Elternschaft und des Lehrerkollegiums führen und sich in enger Abstimmung mit Landrat Christian Engelhardt für die Weiterführung der Schule einsetzen. (ps)

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