Trägerschaft der Liebfrauenschule Bensheim wieder offen

Bistum Mainz und ISR beenden einvernehmlich Verhandlungen/Bistum sucht Gespräch mit Landkreis

Mit großem Bedauern hat das Bistum Mainz den Schülerinnen, der Elternschaft und dem Kollegium der Liebfrauenschule Bensheim am Mittwoch, 14. Juli, mitgeteilt, dass nach intensiven Gesprächen die ISR International School on the Rhine gGmbH und das Bistum Mainz ihre Verhandlungen ergebnislos beenden. Das Bistum Mainz hat dem Kreis angekündigt, nun über die Übernahme der Schule in die staatliche Trägerschaft mit dem Kreis Bergstraße als Schulträger zu sprechen. Dies teilte die Bischöfliche Pressestelle heute in einer Meldung mit.

Liebfrauenschule sollte freie Schule bleiben

Nach eingehenden Gesprächen mit Vertretern der Schulgemeinschaft im Herbst des vergangenen Jahres kristallisierte sich der Wunsch heraus, dass die Liebfrauenschule eine freie Schule bleiben solle, um ihre Profilelemente zu wahren. Nach intensiver Suche und weiteren Parallelverhandlungen mit anderen potentiellen freien Schulträgern fand sich allein die ISR, die sich bereit erklärte, die Liebfrauenschule mit den beiden Profilelementen Mädchenschule und christlicher Orientierung zu übernehmen. „Es war eine Phase guter Verhandlungen, die im März zu unserer verbindlichen Absichtserklärung geführt haben, mit der wir an die Öffentlichkeit gegangen sind“, erläutert der Mainzer Weihbischof und Generalvikar, Dr. Udo Markus Bentz: „Das war für uns als Bistum ein wichtiger Schritt. Die getroffenen Vereinbarungen waren tragfähig und zukunftssichernd.“

Mit der durch diese Trägerkonstruktion notwendigen Schulgelderhöhung zeigte sich ein Teil der Schulgemeinschaft nicht einverstanden und kündigte seinen Wechsel an benachbarte Schulen an. Diese Reaktion verlangsamte die weiteren Verhandlungen und machte eine Anpassung der Konditionen des Trägerwechsels notwendig.

Trägerschaft wieder offen

Die kürzlich aufgetretene Brandschutzproblematik am Gymnasium Nonnenwerth, das sich ebenfalls in Trägerschaft der ISR befindet, bindet die ISR derart, dass nach weiteren Verhandlungen beide Seiten nun zu der Einsicht gelangt sind, dass eine Übertragung der Trägerschaft der Liebfrauenschule auf die ISR unter den neuen Bedingungen nicht möglich ist. Daher haben das Bistum Mainz und die ISR in dieser Woche einvernehmlich entschieden, die Verhandlungen zu beenden. Damit ist die künftige Trägerschaft der Liebfrauenschule wieder offen. Das Bistum wird als nächsten Schritt Gespräche mit dem Landkreis Bergstraße und Vertretern der Schulgemeinschaft zur Zukunft der Schule führen.

Werden auf Landkreis zugehen

„Wir bedauern zutiefst, dass die Option einer freien Trägerschaft für die Liebfrauenschule gescheitert ist“, betont Weihbischof Bentz: „Wir wissen, dass dies für die Schulgemeinschaft ein schwerer Schlag ist, der mit Enttäuschung und Trauer verbunden ist. Wir haben in den vergangenen Wochen und Monaten mit Nachdruck für eine gute Zukunft der Liebfrauenschule in freier Trägerschaft gearbeitet und haben viele Zugeständnisse gemacht, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Wir sind jedoch an einem Punkt angekommen, an dem wir offen und ehrlich sagen müssen, dass dieser Weg nicht mehr weiterführt.“

Der Bildungsdezernent des Bistums Mainz, Gereon Geissler, erläutert: „Im Juni haben wir die Schulgemeinschaft über die verschiedenen Optionen für die Liebfrauenschule informiert. Eine Mehrheit hatte sich für die freie Schulträgerschaft entschieden. Für die Familien tut es uns sehr leid, dass durch Ursachen, die an einem anderen Schulstandort zu suchen sind, diese Option gescheitert ist. Wir müssen uns nun neu orientieren und suchen das Gespräch mit dem Kreis Bergstraße und der Schulgemeinschaft, um die weiteren Optionen für die Zukunft der Liebfrauenschule zu diskutieren.“

Statement von Landrat Engelhardt

„Das ist für uns eine sehr überraschende und auch betrübliche Nachricht!“, sagte Landrat Christian Engelhardt. „Wir sind bislang fest davon ausgegangen, dass die Trägerschaft bereits geklärt und in trockenen Tüchern ist.“ Landrat Engelhardt machte klar, dass bei einer staatlichen Trägerschaft der Charakter der Schule als christliche Mädchenschule leider nicht beibehalten werden könne und auch eine dauerhafte Nutzung der aktuellen Immobilie in der Bensheimer Altstadt eher unwahrscheinlich sei.

Da die Liebfrauenschule als konfessionelle Mädchenschule eine wirkliche Bereicherung der Schullandschaft sei, dies sehe man auch am Einzugsgebiet und der Nachfrage nach Schulplätzen, dürfe man deshalb auch noch nicht die Flinte ins Korn werfen. Es gelte deshalb, weiter nach Alternativen zu suchen: „Aus meiner Sicht sollte eine freie Trägerschaft der Schule weiterhin erste Option sein. Das Bistum möchte ich ermuntern, am Konzept einer Mädchenschule und dem bisherigen Wertekonzept festzuhalten, auch wenn dies möglicherweise bedeutet, noch für einen weiteren Zeitraum die Verantwortung für die Schule zu übernehmen. Schließlich hat es nicht nur Gespräche mit dem Träger der IRS, Herrn Soliman, sondern auch andere Interessenten für den Betrieb der Schule gegeben. Gerne werde ich diese Gespräche unterstützen. Eine solche Traditionseinrichtung verdient es, dass man alle Möglichkeiten eruiert“.

Landrat Engelhardt will als Nächstes das Gespräch mit der Schulelternvertretung an der Liebfrauenschule suchen. Auch Gespräche mit dem Bistum über das weitere Vorgehen sollen folgen. (red)

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