Großes Interview mit Flames-Coach Heike Ahlgrimm

Wo stehen die Flames vor der Saison der ersten Frauenhandball-Bundesliga

Immer engagiert an der Seitenlinie: Flames-Coach Heike Ahlgrimm. Bild © Jürgen Pfliegensdörfer -Sportsword

Die einen sind noch im Urlaubsfeeling, andere dagegen stehen mitten in der Vorbereitungszeit. So auch die Flames, die nach einer einwöchigen Pause mit ihrer Trainerin Heike Ahlgrimm zwischenzeitlich mit einem prall gefüllten Terminkalender in die zweite Phase der Vorbereitung auf die Saison 2019/2020 der ersten Frauenhandball-Bundesliga starteten. Mit dabei aktuell sieben Neuzugänge. Allesamt Top-Spielerinnen, teilweise mit internationalen Erfahrungen, die es jetzt zu integrieren gilt. Schon die ersten Freundschaftsspiele und Turniere zeigten, die große Motivation mit einer neuen Herausforderung in der ersten Liga durchzustarten und nach Möglichkeit die hervorragende Platzierung der vergangenen Spielzeit (Platz neun) zu toppen. Wir sprachen mit Coach Heike Ahlgrimm:

Frau: Frau Ahlgrimm, man spürt bei ihren Spielerinnen eine große Anfangseuphorie. Täuscht der Eindruck? Wie verlief bislang die Vorbereitungsphase?

Der Eindruck täuscht nicht. Die Spielerinnen sind unglaublich motiviert. Allerdings ist eine Vorbereitungsphase kein Maßstab. Dazu sind in den Vereinen die Trainingsfortschritte zu unterschiedlich. Auch wir bestritten zum Teil Freundschaftsspiele unmittelbar nach einer vollen Trainingsbelastung. Trotzdem sind diese Spiele gut, um zu sehen wo wir stehen und wie die Chancen sind, zumal wir gegen mehrere Mannschaften aus der 1. Liga spielten und noch vor uns haben.

Frage: Welche der Neuzugänge überzeugt sie besonders?

Wir haben nach der letzten Saison natürlich wichtige Spielerinnen verloren. Jetzt folgt der nächste Schritt. Unsere Verstärkungen sind gut und sinnvoll. Die Spielerinnen haben das Können die Abgänge zu ersetzen. So ist beispielsweise die österreichische Nationalspielerin Ines Ivančok eine echte Shooterin. Da sie aufgrund des hohen internationalen Niveaus beim Deutschen Meister SG BBM Bietigheim nicht so viel Einsatzzeiten hatte, brennt sie förmlich. Sie ist auch die Spielerinnen für die einfachen Tore.

Sowohl Kreisläuferin Isabell Hurst als auch Linksaußen Elisa Stuttfeld spielten schon mit Julia Maidhof in deutschen Junioren- oder Jugendauswahlen zusammen, sind ungemein talentiert und werden sich schnell entwickeln. Elisa ist unsere Leichtathletin, wendig und ungemein schnell. Isabell hat ihre spielerischen Vorzüge auch in der Abwehr, ist ungemein aggressiv.

Dionne Visser ist ein echter Glücksgriff am Kreis. Ihre Einladung zur holländischen Nationalmannschaft kam zum Glück erst nach der Vertragsunterzeichnung, sonst wäre es schwieriger geworden sie zu verpflichten. Neben Dionne wechselte auch Christin Kühlborn vom Zweitligisten SG 09 Kirchhof zu uns. Beide hatten im Pokal acht beziehungsweise sieben Tore gegen uns geworfen. Da war uns klar. Die beiden müssen wir holen…


Deutliche Ansprachen von Flames-Coach Heike Ahlgrimm.
Bild © Jürgen Pfliegensdörfer -Sportsword

Frage: Welche der jungen Nachwuchstalente trauen sie am ehesten den Sprung in die 1. Bundesliga zu?

Da ist zum einen Neuzugang Sarah Dekker, niederländische Junioren-Nationalspielerin und Vize-Europameisterin.  Sie gehört bereits zum Kader. Ein Riesentalent, allerdings konnte sie aufgrund von Nationalmannschafts-Lehrgängen nicht die komplette Vorbereitungszeit mitmachen. Sie wäre theoretisch vom Alter auch noch in der A-Jugend-Bundesliga einsetzbar. Auch das polnische Nachwuchs-Talent Julia Niewiadomska trainiert schon voll bei uns und wollen wir entwickeln. Sie wohnt in der Flames-Handball-Akademie und wird noch vorrangig bei den Junior-Flames eingesetzt. 

Frage: Wie lautet das Saisonziel?

Das Ziel wollen wir als Mannschaft gemeinsam erarbeiten. Platz neun in der 1. Frauenhandball-Bundesliga war allerdings letzte Saison schon schön… Zunächst ist es wichtig, dass wir die Neuzugänge integrieren und ein Team werden. Ich habe nur noch fünf Spielerinnen aus der vergangenen Saison. Wir müssen realistisch bleiben, den nächsten Schritt gehen. Unser Team ist jünger. Vom Gefühl her sind wir aber in der Abwehr noch stärker als im letzten Jahr – auch schneller.

Frage: Haben Sie schon eine neue Co-Trainerin?

Ja… (Heike Ahlgrimm strahlt), die Neue ist die Alte. Meine bisherige Co-Trainerin Ilka Fickinger ist zurück. Das ist das Beste was uns passieren kann. Wir hatten schon in der Vergangenheit eine Super-Zusammenarbeit. Sie ist eine große Taktikerin. Ilka hat sich den Rücken freigemacht und wird ausschließlich noch als Co-Trainerin fungierten. (Anmerkung: Ilka Fickinger war zuletzt auch Jugendtrainerin und -koordinatorin)

Wieder überraschend zurückgekehrt ist
Co-Trainerin Ilka Fickinger.
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Frage: Wer sind nach Ihrer Meinung die Favoriten für diese Saison? Wer spielt um den Abstieg?

Die Liga hat sich verändert. Allerdings sehe ich Bietigheim und Thüringen wieder ganz vorne. Dazu kommt Borussia Dortmund. Das Team vom neuen Borussen-Trainer André Fuhr wurde mit internationalen Neuzugängen ungemein verstärkt und hat große Ambitionen. Dann dürften die Mannschaften aus Metzingen, Bayer Leverkusen und Buxtehude folgen. Um den Abstieg spielen sicherlich zunächst die Aufsteiger, aber möglicherweise auch Göppingen und Neckarsulm. Blomberg-Lippe, Oldenburg und auch uns sehe ich eher im Mittelfeld. 

Frage: Bis wann rechnen Sie nach ihrer schweren Kreuzbandverletzung mit dem Comeback der verletzten Simone Spur Petersen?

Simone absolviert zwischenzeitlich schon ein leichtes Lauftraining. Realistisch ist das Heimspiel gegen Oldenburg im Dezember. Dann ist ihre schwere Sportverletzung auch neun Monate her.

Frage: Gleich zum Saisonauftakt steht das Derby gegen Ketsch in der Weststadthalle auf dem Spielplan? Kommt das Duell nicht zu früh?

Nein, da sehen wir auch gleich wo wir stehen. Ein Derby zieht immer viele Zuschauer. Trotz Winzerfest rechne ich mit einer vollen Halle. Übrigens ist vom Berliner Ring auch das Winzerfest-Feuerwerk auf dem Kirchberg schön zu sehen…

Herzlichen Dank für das Gespräch

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