Flugblätter für Nachbarschafthilfe werfen Fragen auf

Nachdem einige Bensheimer Bürgerinnen und Bürger in den letzten Tagen ein Flugblatt mit der Überschrift „Hallo liebe Nachbarn“ im Briefkasten vorfanden, hat sich das Team Ordnung, Soziales und Integration der Stadt Bensheim bei der Polizei über den Hintergrund dieser Initiative informiert. Diese wiederum verwies auf Recherchen der Plattform „Politnetz Darmstadt“ zum gleichen Thema.

Wie bei ähnlichen Aktionen in anderen Städten wird auch im Bensheimer Flugblatt dazu aufgerufen, sich an der Nachbarschaftsplattform nebenan.de zu beteiligen und sich dort zu registrieren. Vorgeblich geht es bei der Initiative darum, dass Nachbarn sich untereinander vernetzen, um sich zum Beispiel mit Lebensmitteln auszuhelfen oder gemeinsam Hobbys zu pflegen.

Datennutzung für Werbezwecke?

Hinter den Flugblättern steht die Good Hood GmbH, ein Start-up-Unternehmen mit Sitz in Berlin, das laut der „Politnetz“ auch Singlebörsen und Videoplattformen betreibt. Das Geschäftsmodell von nebenan.de sieht vor, in ganz Deutschland speziell auf die einzelnen Nachbarschaften zugeschnittene soziale Netzwerke zu installieren, die sich nach anfänglichen Investitionen laut „Politnetz Darmstadt“ später durch Werbeeinnahmen finanzieren sollen. Auch Verbraucherschützer, Lokalpolitiker und Experten warnen, dass die Nutzung der Daten für Werbezwecke nicht ausgeschlossen werden könne. Polizeibehörden in mehreren Bundesländern halten zumindest die Weitergabe einiger persönlicher Daten innerhalb der Plattform für riskant.

Hinweis auf Bürgerhilfe Bensheim

„Grundsätzlich ist eine Vernetzung unter Nachbarn natürlich positiv zu bewerten und trägt zum Miteinander in einer lebendigen Stadtgesellschaft bei. Diese Facette unseres Zusammenlebens gab es allerdings auch schon vor dem Aufkommen der sozialen Medien – und die Nachbarschaftshilfe hat im direkten Kontakt bereits über viele Generationen hinweg bestens funktioniert. Vor diesem Hintergrund sollte jeder Einzelne prüfen, ob er persönliche Daten an ein gewinnorientiertes Unternehmen preisgeben möchte. Ich halte eine gesunde Skepsis bei Initiativen dieser Art jedenfalls für angezeigt“, so die Einschätzung von Stadtrat Adil Oyan. (ps)

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