Polizeipräsidium Südhessen stellt Kriminalstatistik 2020 vor

Weniger Fälle und steigende Aufklärungsquote im Kreis Bergstraße

Sehr zufrieden zeigte sich nach einer seit 2016 konstanten Reduzierung der Fallzahlen bei gleichzeitig kontinuierlicher Steigerung der Aufklärungsquote Polizeipräsident Bernhard Lammel mit der Polizeilichen Kriminalstatistik 2020. Erneut hat gute, beständige und professionelle Polizeiarbeit zu dem positiven Ergebnis geführt. Die Kriminalitätsbelastung konnte noch einmal deutlich gesenkt werden. Noch nie war die Gefahr in Südhessen Opfer einer Straftat zu werden, so gering. Bereits das dritte Jahr in Folge ist Südhessen die sicherste Region in Hessen. Darmstadt ist sicherste kreisfreie Stadt. Im Ranking der Landkreise sind der Odenwaldkreis, als sicherster Landkreis, der Landkreis Darmstadt-Dieburg (Platz 3) und die Bergstraße (Platz 5) erneut unter den ersten fünf.

Corona nahm Einfluss auf Kriminalität

„Sicher muss man das Ergebnis der PKS 2020 vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie betrachten, die auch Einfluss auf die Kriminalitätsentwicklung genommen hat und einen Vergleich mit den Vorjahren nur bedingt möglich macht. Social Distancing und das Herunterfahren des öffentlichen Lebens haben sich auf die Kriminalität ausgewirkt. Doch die Corona-Pandemie hat nicht zwangsläufig zu einem Rückgang der Straftaten geführt, sondern vielmehr zu einer Deliktsverlagerung“, so Polizeipräsident Lammel zum Einfluss der aktuellen Pandemie.

So konnte das Polizeipräsidium Südhessen in 2020 bereits das vierte Jahr in Folge einen Rückgang der Fallzahlen verzeichnen. Seit 2016 haben sich die Straftaten von 46.416 auf 39.936 Fälle reduziert und sind damit um beachtliche 16 Prozent gesunken. Gleichzeigt zu der Fallreduzierung konnte die Aufklärungsquote von 60,2 Prozent in 2016 auf beachtliche 65,8 Prozent gesteigert werden.

Niedrigsten Fallzahlen, höchste Aufklärungsquote

Seit Bestehen des Polizeipräsidiums 2001, als noch fast 54.000 Fälle und eine Aufklärungsquote von 46,8 Prozent verzeichnet wurden und in 2004 sogar 64.376 Fälle bei einer Aufklärungsquote von 50,3 Prozent, sind die Fallzahlen des Jahres 2020 die niedrigsten überhaupt. Gleiches gilt für die gute Aufklärungsquote von fast 66 Prozent, die ebenfalls erstmals erreicht wurde. Bei rund zweidrittel der Straftaten konnte somit ein Tatverdächtiger ermittelt werden. Betrachtet man das Gesamtstraftatenaufkommen, so ist festzustellen, dass Straftaten mit Bereicherungsabsicht 51 Prozent aller Straftaten ausmachen. Die Motivation zur Begehung von Straftaten liegt demnach überwiegend in einer Geld- und Vermögensanreicherung. Hierbei bilden Diebstahlsdelikte mit 32 Prozent den Schwerpunkt.

19.528 Tatverdächtige

Insgesamt konnten 19.528 Tatverdächtige ermittelt werden, die für 26.274 Fälle verantwortlich waren. Von allen ermittelten Tatverdächtigen hatten 7.294 Personen (37,4 %) keine deutsche Staatsbürgerschaft, von diesen wiederum waren 1.360 Personen Zuwanderer. Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen ist konstant. Er hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Prozentpunkte verringert. Knapp 18 % aller Tatverdächtigen waren unter 21 Jahren.

Maßnahmen der PD Bergstraße

Die Kriminalitätsbelastung im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Bergstraße ist im Jahr 2020 deutlich gesunken. Im Bereich der Gewalt gegen Einsatzkräfte ist hingegen ein geringer Anstieg der Fallzahlen zu verzeichnen. Insgesamt wurden durch die Polizeidirektion Bergstraße, teilweise in Zusammenarbeit mit der Bereitschaftspolizei, rund 170 Einsatzlagen bewältigt und circa 1000 täter– und brennpunktorientierte Kontrollen durchgeführt. Hierbei kam es zu 230 Sicherstellungen, darunter rund 18 Kilogramm illegale Drogen. Es wurden 250 Strafanzeigen gefertigt und 1700 Verkehrsverstöße geahndet.

Fallzahlen und Aufklärungsquote im Kreis

Die Anzahl der im Bereich der Polizeidirektion Bergstraße registrierten Straftaten ist im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 Prozent gesunken (2019: 8.721 Fälle; 2020: 8.442 Fälle). Die Aufklärungsquote steigt konstant und liegt aktuell bei 66,5 Prozent. Im Einzelnen sind die Fallzahlen im Zuständigkeitsbereich der Polizeistationen Heppenheim um 0,2 Prozent, der Polizeistation Wald-Michelbach um 15,5 Prozent und Bensheim um 12,8 Prozent gesunken. Die Zahlen gingen im Vergleich zum gesamten Polizeipräsidium Südhessen stärker zurück

(Durchschnittlicher Rückgang um 4,6 Prozent). Einzig im Bereich der Polizeistation Lampertheim-Viernheim kam es zu einer leichten Zunahme der Fallzahlen um 2,2 Prozent. Die hier überdurchschnittliche Steigerung der AQ um 7,2 Prozent auf 66,3 Prozent steht dem positiv gegenüber.

Anteil Wohnungseinbrüche stark gesunken

Die Fallzahlen im Bereich Wohnungseinbruchdiebstahl fielen im Vorjahresvergleich um 39,1 Prozent auf 143 Fälle. Dabei scheiterten 46,9 Prozent  der Fälle schon im Versuchsstadium. Die Aufklärungsquote liegt mit 41,3 Prozent deutlich über dem Landesdurchschnitt (19,0 Prozent). Auffällig im Deliktsbereich WED ist die hohe Quote an ausländischen Tatverdächtigen, die bei 47,2 Prozent liegt (gesunken um 2,8 Prozent). Um 6,6 Prozent gesunken sind die Fallzahlen im Vorjahresvergleich im Bereich der Straßenkriminalität. Die Aufklärungsquote fiel um 4,3 Prozent auf nunmehr 27,4 Prozent. Der Anteil des Straßenraubes, der im Bereich der Straßenkriminalität als besonders beeinträchtigend empfunden wird, liegt bei gerade einmal 1,2 Prozent.

4.193 Tatverdächtige im Kreis ermittelt

Es konnten 4.193 Tatverdächtige im Kreis Bergstraße ermittelt und diesen insgesamt 5.610 Fälle nachgewiesen werden. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger*innen liegt bei 33,1 Prozent (1.387 Personen) und ist im Vorjahresvergleich (-0,9 Prozent) rückläufig.

Verrohung der Gesellschaft

Für den Bereich des Polizeipräsidiums Südhessen zeigte sich Polizeipräsident Bernhard Lammel über die Zunahme der Rohheitsdelikte besorgt. Unter dem Überbegriff sind Raubstraftaten, Körperverletzungsdelikte sowie Straftaten gegen die persönliche Freiheit summiert. Waren es 2015 noch 5.169 Straftaten, so mussten 6.535 Fälle in 2020 registriert werden. Auch der Anteil der Rohheitsdelikte am Gesamtstraftatenaufkommen ist in den letzten drei Jahren von 13,3 Prozent in 2018 auf aktuell 16 Prozent gestiegen. „Der Anstieg der Zahlen korrespondiert mit der allgemeinen Verrohung der Gesellschaft, gesteigertem Konfrontationsverhalten und gleichzeitig steigender Respektlosigkeit. Diese Phänomene sind sowohl im direkten Kontakt als auch in den sozialen Netzwerken vermehrt festzustellen. Bedrohungen von politischen Mandatstägern oder Hate Speech nehmen feststellbar zu. „Diesen Tendenzen gilt es konsequent entgegenzuwirken und von staatlicher Seite frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen. Die Polizei ist hier das letzte Glied in der Kette und kann meist nur auf aktuelle Situationen reagieren und diese bereinigen. Das Kind ist dann aber bereits in den Brunnen gefallen“, so Lammel.

Mit dieser Entwicklung geht auch die Zunahme der Körperverletzungsdelikte einher. Mit 4.387 Fällen befinden sich diese auf höchstem Niveau im Langzeitvergleich. Der Ausländeranteil ist mit über 40 Prozent auffällig hoch, bei der gefährlichen Körperverletzung liegt er sogar bei 48 Prozent. Von insgesamt 4.694 Opfern waren 2.077 Frauen. Von diesen Frauen haben 1.238 eine Körperverletzung innerhalb der Ehe, Partnerschaft oder Familie erlitten. Bei der häuslichen Gewalt hat die Corona-Pandemie hat den Anstieg der Fälle von häuslicher Gewalt (1.526 Fälle, + 17,7 Prozent) sicher noch begünstigt.

Gewalt gegen Einsatzkräfte

Gewalt gegen Einsatzkräfte weiterhin auf einem nicht akzeptablen Niveau. In 2020 wurden 294 (2019: 328) Polizeibeamtinnen oder -beamte, 13 Rettungskräfte (2019: 15) und 3 Feuerwehrkräfte (2019: 1) angegangen. In diesem Zusammenhang lobt Polizeipräsident Lammel die stetige Verbesserung der Ausrüstung, wie Body-Cams, der Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten in den vergangenen Jahren. Intensive Ermittlungen im Bereich der Kinderpornografie führen zu deutlichem Anstieg bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Während die Anzahl der sexuellen Belästigungen, wohl aufgrund von ausgefallenen Festen, zurückgingen, stiegen die Sexualdelikte hingegen um 26,8 Prozent auf 592 Fälle an.

Gute Ermittlungsergebnisse bei Kinderpornografie

Insbesondere auf entschlossene Ermittlungen des Landes Hessen ist ein Fallanstieg der Kinderpornografie zurückzuführen. In diesem Zusammenhang ist das Polizeipräsidium Südhessen Teil der beim Hessischen Landeskriminalamt angesiedelten BAO Fokus, die im Oktober 2020 ihre Arbeit aufgenommen hat und gezielt gegen Sexualstraftäter in diesem Bereich vorgeht. In 2020 wurden allein in Südhessen 211 Strafverfahren in Zusammenhang mit Kinder- oder Jugendpornografie sowie 55 Verfahren wegen schweren sexuellen Missbrauch von Kindern oder Jugendlichen eingeleitet. Ermittler haben bereits 36 Wohnungen durchsucht und zahlreiche Datenträger mit entsprechenden Dateien, zum Teil im dreistelligen Terrabyte-Bereich, sichergestellt. (rs-red)

Weitere Informationen zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2020 sind auf der Homepage des Polizeipräsidiums Südhessen unter www.polizei.hessen.de/ppsh abrufbar.

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