Auerbach trotzt Corona mit einer gutbesuchten „Schuppenkerb“

Auerbacher Kerb bereits zum zweiten Mal in abgespeckter Light-Version gefeiert

Ganz im Zeichen der Auerbacher Kerb stand am Wochenende der größte Bensheimer Stadtteil Auerbach. Unser Bild zeigt von links die neuen Traditionsfiguren Mundschenk Marcel Becker, Kerwekönigin Mara Semmler, „Kerweparre“ Pascal Strößinger, Schirmherr Landrat Christian Engelhardt sowie ihre Vorgänger Carsten Hoffmann (Schirmherr 2019/20), Jasmin Becker (Kerweparrerin 2019/20, Melanie Kaltenbach (Kerwekönigin 2019/20) und Nathalie Dürr (Mundschenkin 2019/20) mit zwei Kerweprinzessinnen.

Vor der Corona-Krise war Auerbach im Herbst insbesondere von der Kirchweih rund um das Bürgerhaus Kronepark geprägt. Eine dreitägige Feier mit gutbesuchten Events für alle Altersgruppen, einem über 40 Nummern durch den Ortskern ziehenden Festzug, ein Vergnügungspark für die jüngsten Besucher oder auch zahlreiche Menschen „auf der Gass“. Man traf sich, unterhielt sich – Partystimmung eben. In den vergangenen eineinhalb Jahren lag allerdings die gesamte Veranstaltungsbranche wegen der Corona-Krise fast vollständig auf Eis. Die Kerweabteilung des Kur- und Verkehrsvereins ließ trotzdem nicht locker und sorgte mit ihrer abgespeckten Version einer Auerbacher Kerb für einen Lichtblick. Schon im vergangenen Jahr wagten sich die rührigen Organisatoren um Abteilungsleiter Fritz Becker unter konsequenter Einhaltung eines Abstands- und Hygienekonzept auf ihrem Vereinsgelände an die Durchführung einer „Schuppenkerb“ und wiederholten dies unter Einhaltung einer 3G-Regel (Getestete, Geimpfte oder Genesene) auch an diesem Wochenende (8. bis 10.). Das Lob der Ehrengäste in ihren Grußworten war ihnen gewiss. Denn eines ist jedem zwischenzeitlich deutlich geworden: „Die Menschen wollen wieder raus, sich treffen, etwas erleben“. Und dazu bot auch die Lightversion der Auerbacher Kerb eine gute Möglichkeit.   

Sieben Zugnummern -einschließlich zwei zur Absicherung eingesetzte Feuerwehrfahrzeuge- umfasste der coronabedingt abgespeckte Festzug der diesjährigen Auerbacher Kerb Light.

In Anbetracht der immer noch existierenden Pandemie verzichteten die Veranstalter auf den traditionellen Kerwemontag, wählten allerdings am Freitagabend mit einer Disco-Party mit Happy Hour für die Jugend und alle Junggebliebenen erstmals einen neuen Einstieg ins Kerwe-Wochenende. Rund 60 Besucher fanden sich zum DJ-Debüt von Sebastian Meyer von „Meyers Blechbichse“ auf dem etwas über 100 Personen fassenden umzäunten Gelände westlich der Bahn ein und sorgten gutgelaunt für kräftig Stimmung.

Viel Spaß bei der offiziellen Eröffnung

So richtig los ging es dann wie gewohnt am Samstagnachmittag. Der Auftakt bildete -in Anlehnung an die Weihung der frisch renovierten Bergkirche im Jahr 1787- ein ökumenischer Gottesdienst mit Diakon Heinz Lenhart und Prädikantin Stefanie Kempa-Kolb. Für die musikalische Umrahmung sorgte Organist Jens Braun. Im Anschluss schlug dann die Stunde der bisherigen Traditionsfiguren, welche coronabedingt alle in 2020 ihr Amt um ein weiteres Jahr verlängerten. Insbesondere in der Funktion des bisherigen Schirmherrn für Amtsinhaber Carsten Hoffmann (Vorstand GGEW AG) ein Novum, musste er doch über zwei Jahre seinen symbolischen Schirm verteidigen. Ein Vorhaben, dass ihm allerdings auch auf der Zielgeraden nicht gelang, nutzten doch findige Mitglieder der Kerweabteilung eine günstige Gelegenheit, um den Schirmherrn noch zweimal zum Auslösen des Schirms zur Kasse zu bitten. „Schon am ersten Tag war 14 Mal der Schirm weg“, erinnerte mit einem Augenzwinkern Moderator Markus Meyer, der am Nachmittag auch Bürgermeisterin Christine Klein, Ortsvorsteher Robert Schlappner, den ehrenamtlichen Stadtrat Hans Seibert und einzelne Stadtverordnete und Ortsbeiratsmitglieder begrüßen konnte. Zudem befand sich praktisch in Doppelfunktion Landrat Christian Engelhardt unter den Besuchern. Er übernahm im Anschluss offiziell von Carsten Hoffmann zu dessen humorigen begleitenden Worten „Pass gut auf ihn auf“ den Schirm.

Die neuen Traditionsfiguren, von links Mundschenk Marcel Becker, Kerwekönigin Mara Semmler, „Kerweparre“ Pascal Strößinger und Schirmherr Landrat Christian Engelhardt.

Die Traditionsfiguren übernahmen

„Ich übernehme dieses Amt in Auerbach sehr gerne. In Auerbach wird die Kirchweih auch in schwierigen Zeiten konsequent gefeiert. Hier wird schon bei der Planung eine hohe Kompromissbereitschaft an den Tag gelegt. Die Auerbacher Kerb ist auch die beste Möglichkeit zur Integration für Zugezogene“, und nach einer kleiner Pause, „aus Bensheim oder Heppenheim“, äußerte Landrat Christian Engelhardt in seiner Antrittsrede schon ganz im Stil der stets mit Schalk im Nacken belegten Kirchweih. Kleine Sticheleien zu Nachbargemeinden gehören hier -wie auch bei der Fastnacht- stets zum nicht ernstgemeinten Repertoire, soll doch der Spaß stets im Vordergrund stehen. Die Begrüßung der Gäste übernahm auch mit der Schilderung persönlichen Erinnerungen der stellvertretende Vorsitzende des Kur- und Verkehrsvereins Günther Kuch, weitere Grußworte sprachen Bürgermeisterin Klein und Ortsvorsteher Schlappner.

Bevor am Abend im wahrsten Sinne des Wortes das „Sounds Duo“ mit Livemusik für den richtigen Sound zu Tanz und Unterhaltung der gutbesuchten Veranstaltung sorgten, wechselten noch Schleppe, Zylinder, Kerwebesteck und Krone ihren Besitzer. So schlüpften Pascal Strößinger als Kerweparre, der frischvermählte Marcel Becker , geborener Haberer, als Mundschenk und die neue Kerwekönigin Mara Semmler auf der Bühne offiziell in ihre neuen Rollen. Das Trio löst nach zwei Jahren „Kerweparrerin“ Jasmin Becker, Mundschenkin Nathalie Dürr und Kerwekönigin Melanie Kaltenbach ab. Mit dem Hochziehen des vom Fachgeschäft „Petite Fleur“ mit dem von Gisela Hamel gespendeten „Grün“ gefertigte Kerwekranz hieß es dann offiziell „Die Auerbacher Kerb ist eröffnet“.

Kleiner Festzug mit Traditionsfiguren

Ungewöhnlich in der Zeit und für die übliche Länge von Festzügen extrem kurz war coronabedingt am Sonntagvormittag (10.), um 11 Uhr, der Kerweumzug. „Vorsicht geht natürlich vor. Wir wollten den Festzug aber nicht ganz entfallen lassen, ein Signal setzen und zumindest auf unseren Nachmittagsevent mit „Kerweredd“ aufmerksam machen“, äußerte in einem Gespräch Abteilungsleiter Fritz Becker. Sieben Fußgruppen und Wagen, einschließlich zwei Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr zum Absichern des Zuges, beinhaltete die kleine sich auf der normalen Route verlaufende Parade. Darunter natürlich die Traditionsfiguren, die „Auerbahn“ des Gewerbekreises mit ehemaligen Schirmherrn oder zu Fuß verschiedene bekannte Auerbacher Gesichter und Bürgermeisterin Klein.   

„Wem is die Kerb?“ hallte es am Nachmittag mehrmals über das Schuppengelände und das aus guten Grund. Absoluter Höhepunkt: Die vom ehemaligen Bensheimer ehrenamtlichen Stadtrat Norbert Bauer formulierte „gefürchtete Kerweredd“, bei welcher dem ein oder anderen Auerbacher in Bezug auf ihr Missgeschick in gereimter Form und natürlich im örtlichen Dialekt unverblümt der Spiegel vorgehalten wurde. Themen waren unter anderem die diesjährigen Wahlen mit einem „frauenfreundlichen“ Schwenk von Christian (Engelhardt) zu Christine (Klein, Deppert und Lambrecht) oder Urlaubserlebnisse. Keine leichte Aufgabe für das Duo, hatte der Verfasser des Öfteren doch den Satz „schenk mol eu“ eingebaut, womit natürlich wenig überraschend die Trinkaufforderung von Auerbacher Wein gemeint war.

Abschluss bei der Seniorenkerb der AWO

Unterstützt wurde das Duo von „Musik Tom“ an seiner Orgel. Reisenden Absatz nahmen auch die selbstgebackenen Kuchen von der Fraueninitiative „Ortsgespräch Auerbach“. Der Erlös ist für ein Kasperl-Theater bei künftigen Kerwe-Frühschoppen bestimmt. Eher mehr inoffiziell wird die Auerbacher Kerb am Montag (9.) in privaten Höfen und möglicherweise in Gaststätten fortgesetzt. Ihren Abschluss findet sie dann am Dienstag (12.), ab 14:30 Uhr, bei der im Rahmen eines Oktoberfestes eingebundenen Senioren-Kerb der AWO Auerbach im Kronepark Auerbach. Zu den Besuchern gehören natürlich auch die Traditionsfiguren und als Highlight das erneute Vortragen der „Kerweredd“.

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