Positives Fazit für das Open-Air-Kinofestival „EuropaFilmFest“ in Auerbach

Kulturmanager Dieter Kosslick mit der „Bronzenen Brennessel“ ausgezeichnet

Mit der „Bronzenen Brennessel“ wurde am Donnerstag (5.) der ehemalige Direktor der internationalen Filmfestspiele Berlin Dieter Kosslick beim Open-Air-Kinofestival in Auerbach ausgezeichnet. Unser Bild zeigt von links Dieter Kosslick, Bensheims Bürgermeisterin Christine Klein, Künstler Siegfried Speckhardt und Alfred Speiser vom Programmkino Brennessel in Hemsbach.

Der größte Feind war das Wetter. Trotzdem: Ein positives Fazit zogen am gestrigen Donnerstagabend (5.) die Veranstalter vom achttägigen 1. EuropaFilmFest in Auerbach. Viele Zuschauer fanden sich zur Premierenwoche beim Open-Air-Kino vom Programmkino Brennessel aus Hemsbach und dem Luxor-Filmpalast Bensheim im Kronepark ein und lobten sowohl Rahmenprogramm und Filmauswahl als auch die angenehme Atmosphäre an der überwiegend mit grüner und blauer Beleuchtung illuminierten Fläche. Dreimal verzeichneten die Organisatoren bei dem coronabedingt auf rund 200 Sitzplätze reduzierten Veranstaltungsraum ein ausverkauftes Haus. Lediglich am Montag und am Dienstag musste man beim tschechischen und polnischen Angebot wetterbedingt Tribut zollen. Die Meinungen von Verantwortlichen und Besuchern waren einhellig: Es muss im kommenden Jahr einfach eine Fortsetzung geben. Die Weichen dazu stehen gut…

Regisseur Thomas Vinterberg am Telefon

„Hallo Bensheim“, schallte es am gestrigen Abschlussabend über die Lautsprecher des Festivalgeländes. Am durchgeschalteten Telefon: Kein Geringerer als der Regisseur des abendlichen vielfach preisgekrönten Spielfilms „Der Rausch“ Thomas Vinterberg höchstselbst. Großer Beifall brandete auf, der auch im fernen Wohnort des Dänen nicht zu überhören war. Möglich wurde dieser Gruß durch einen Anruf vom anwesenden Preisträger der „Bronzenen Brennessel“ Dieter Kosslick. „Der Rausch“ wurde in 2020 unter anderem mit dem Europäischen Preispreis und in diesem Jahr mit dem Oscar für den Besten internationalen Film ausgezeichnet. Die Sozialsatire handelt von vier befreundeten Lehrern (dargestellt von Mads Mikkelsen, Thomas Bo Larsen, Magnus Millang und Lars Ranthe), die aus Frustration gemeinsam ein „Trinkexperiment“ starten, um wieder motiviert vor ihre Schüler treten zu können und ihr Leben etwas freudvoller zu gestalten. Allerdings führt der Griff zur Flasche auch zum Unkontrollierbaren…

„Bronzene Brennessel“ für Dieter Kosslick

Am Abschlussabend jagte ein Highlight das andere. Im Mittelpunkt das Gesicht der Berlinale Dieter Kosslick. Fast zwanzig Jahre (Bis 2019) drückte der Kulturmanager den internationalen Filmfestspielen in Berlin, bei denen als begehrtester Preis auch der Goldene Bär verliehen wird, seinen Stempel auf. Vorgestellt hatte er in Auerbach auch seine Autobiographie mit dem Titel „Immer auf dem Teppich bleiben“ und las auf Zuruf von Festivalleiter Frank Krause oder den Zuhörern humorvoll verschiedene Anekdoten zu bekannten Filmgrößen vor. So erfuhren die Besucher beispielsweise wie er Clint Eastwood mehr durch Zufall zu einem Besuch der Berlinale überredete, Meryl Streep letztendlich einen Blumenstrauß von einer Tankstelle erhielt oder wie er die Nachtruhe der nach 50 Jahren Rockmusik ohnehin nicht mehr optimal hörenden Rolling Stones sichern konnte. Interessant auch sein Blick auf die Zukunft des Kinos an sich. „Die Magie des Kinofilms mit seinen großen Leinwänden wird überleben. Kein Vergleich zu den kleinen Bildschirmen um zuhause Netflix zu schauen“, verdeutlichte Dieter Kosslick. Zur Zukunft der Filmhäuser gehört für ihn auch die CO2-freie Produktion von Kinofilmen. Auch müssten Schülern im Rahmen der visuellen Erziehung Kinos zur Verfügung stehen, damit sie nicht nur vor kleinen Bildschirmen sozialisiert werden.

Preisträger Dieter Kosslick, wie man ihn kennt: Am Mikrophon und mit seinem Markenzeichen einen roten Schal.

Die Verleihung der vom Auerbacher Künstler Siegfried Speckhardt gefertigten „Bronzenen Brennessel“ übernahm mit einer Laudatio auf seine vielfältigen Verdienste Bensheims Bürgermeisterin Christine Klein, den Dieter Kosslick, selbstredend mit seinem Markenzeichen einem roten Schal, entgegennahm. Der „Kulturmensch“ ist nach Regie-Legende Michael Verhoeven erst der zweite Preisträger der in Auerbacher gefertigten Auszeichnung.

1.500 Euro für die Feuerwehr

Freuen konnte sich am Abend auch die Freiwillige Feuerwehr Auerbach. An acht Tagen verkaufte die Vorsitzende des örtlichen Gewerbekreises, Rita Wendel, Lose für eine von den örtlichen Geschäftsleuten gutgefüllte Tombola, so dass sie an jedem Abend mit Unterstützung ihres schlagfertigen Enkels Christian und örtlichen bekannten Persönlichkeiten die Preise an den Mann beziehungsweise Frau bringen konnte. Auf diese Weise kam eine stattliche Summe von 1.500 Euro zusammen, die nun in die Ausrüstung der zuletzt durch Unwetterschäden stark beanspruchten Wehr fließen werden.  

Dass an einem letzten Abend Dankesworte nicht fehlen durfte versteht sich von selbst. So übergaben Alfred Speiser vom Programmkino Brennessel, Udo Neudecker vom Bensheim Luxor Filmpalast sowie Festivalleiter Frank Krause an verschiedene Unterstützer Weine oder Blumen. Dazu zählten auch Ortsvorsteher Robert Schlappner, Peggy Matas vom Parkhotel Krone, die mit einem leckeren Cocktailstand die Gaumen der Besucher erfreute oder auch die Kartenvorverkaufsstelle Buchhandlung Deichmann. Nicht vergessen wurden auch die Bensheimer Partnerschaftsvereine und Freundeskreise, die das Motto „EuropaFilmFest“ jeden Abend mit Leben füllten und einen Einblick in ihr Vereinsgeschehen gewährten. Musikalisch umrahmt wurde der abwechslungsreiche letzte Filmabend von dem „Mädchen mit dem Kontrabass“ Mimi Grimm und Steffen Zäuner an der Akustikgitarre.

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