Vier Journalist*innen in Bensheim mit Dietmar Heeg Medienpreis ausgezeichnet

Appell der Karl Kübel Stiftung für temporäre Freigabe von Covid-19- Impfstoffpatenten

Vier Journalisten wurden am Donnerstag (23.) durch die Karl Kübel Stiftung im Musiktheater Rex in Bensheim mit dem Dietmar Heeg Medienpreis ausgezeichnet. Unser Bild zeigt von links die Geehrten Peter Onneken, Diana Löbl, Amonte Schröder-Jürss und Kerstin Greiner mit dem Stiftungsratsvorsitzenden Matthias Wilkes. Bild © Karl Kübel Stiftung/Thomas Neu

Wie wichtig, vielfältig und sinnstiftend Familie ist, wurde bei der Verleihung des Dietmar Heeg Medienpreises am Donnerstag (23.) im Musiktheater Rex in Bensheim deutlich. Die Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie zeichnete vier Journalist*innen für ihre Beiträge zum Thema „Familie macht Sinn!“ mit dem Award aus.

TV-Doku „Mütter, Väter, Kinder im Stress“ ausgezeichnet

Der erste Platz und damit 5.000 Euro gingen an Diana Löbl und Peter Onneken für ihre TV-Dokumentation „Mütter, Väter, Kinder im Stress“. Der Film zeigt deutlich: Eltern und Kinder befinden sich in einem Hamsterrad ­– ständig in Hektik zwischen Arbeit, Schule, Haushalt, Nachmittagsaktivitäten etc. Corona hat die ohnehin angespannte Lage weiter verschärft.

Aber wo endet der gestiegene Anspruch von Müttern und Väter an sich selbst, wo beginnt der gesellschaftliche Druck eine perfekte Familie zu sein? Auch dieser Frage wird nachgegangen sowie nach Lösungen gesucht. Die Reportage zeigt „unter welchen Bedingungen Familie noch mehr Sinn machen könnte, indem Mütter und Väter entlastet werden. Daher auch im Film: ein Plädoyer an die Politik: neue Lebens- und Arbeitsmodelle zu entwerfen, ein Appell an Mütter und Väter, ihre Work-Life-Balance untereinander besser auszuhandeln, und ein Wink an die Gesellschaft und damit auch an uns selbst, dass wir als Eltern nicht perfekt sein müssen“, so Jurymitglied Julia Tzschätzsch in ihrer Laudatio.

Zwei weitere Auszeichnungen

Zwei weitere Auszeichnungen und je 2.500 Euro Preisgeld gingen an die Journalistinnen Kerstin Greiner und Amonte Schröder-Jürss aus Berlin. Die Beiträge der Autorinnen erschienen im Magazin der Süddeutschen Zeitung und greifen ganz unterschiedliche Aspekte von Familie auf. „Reise ins Ungewisse“ von Kerstin Greiner nimmt die Leser*innen mit auf eine abenteuerliche Reise: Mehdi Maturi hat sich von Deutschland aus auf den 4000 Kilometer langen Weg durch acht Länder gemacht, um seine Mutter im Iran zu finden. Fast ein ganzes Leben lang dachte er, seine Mutter sei tot. Greiners Beitrag handelt vom Ge- und Vertrieben werden, vom Entwurzeltsein, von der Suche nach Angehörigen und der Liebe. „Ein Leseabenteuer, das unter die Haut geht. Das zeigt, welche Kraft entsteht, wenn Menschen sich nach Liebe, Halt und Identität sehnen. Nach Familie im besten Sinne“, urteilte die Jury. In ihrer Dankesrede wies Greiner darauf hin, dass dies singulär erzählte Schicksal für viele stehe: „Es gibt so viele Menschen, die entwurzelt sind, die ihre Familienangehörigen suchen, die sich nach ihren Liebsten sehen, die versuchen, ihre Familie in Sicherheit zu bringen. Für diese Familien habe ich die Geschichte geschrieben.“

Ein Dorf hält zusammen

Sehr berührend und ganz nah an ihrem Hauptdarsteller ist auch die Reportage „Alle für einen“ von Amonte Schröder-Jürss, in dem die Journalistin beschreibt, wie ein ganzes Dorf sich um Horst Daiber kümmert, der mit einer kognitiven Beeinträchtigung zur Welt kam. Als Daibers Vater stirbt, hätte er eigentlich seinen Hof verlassen müssen. Doch stattdessen sind nun die 450 Einwohner seines Heimatdorfes für ihn da – wie eine Familie. Freundschaft, Verantwortung, den Blick für andere und die Gemeinschaft – all das wird sichtbar in dem Artikel, der auch zeigt: Inklusion ist beidseitig. Die Dorfbewohner kümmern sich um Hans Daiber, er sich aber auch gleichermaßen um sie. Denn: Keiner lebt für sich allein.

Talk-Runde mit Preisträgerin

In einer Talk-Runde mit Preisträgerin Diana Löbl, Jurymitglied Marc Wilhelm (hitradio ffh) und den beiden Vorstandsmitgliedern der Karl Kübel Stiftung, Dr. Katharina Gerarts und Ralf Tepel, zum Thema „Familie macht Sinn“ wurde deutlich, dass Familien so unterschiedlich sie und ihre Lebensbedingungen weltweit auch sind, überall für Liebe und Fürsorge stehen, die Kindern Sicherheit geben und Freude vermitteln sollen. Löbl: „Liebe ist Familie, so einfach ist das.“

Covid-19- Impfstoffpatente temporär freigeben

Bei der Veranstaltung ging es aber nicht nur um die Familie im Kleinen und unmittelbaren Umfeld, sondern auch um die ganz große Familie – die der Weltgemeinschaft. Friedensnobelpreis- und Karl Kübel Preisträger 2021, Prof. Muhammad Yunus aus Bangladesch, der aufgrund der Corona-Pandemie nicht nach Bensheim kommen konnte, appellierte in einer Videobotschaft, die Covid-19- Impfstoffpatente temporär freizugeben, damit schneller möglichst viele Menschen weltweit geimpft werden können. „Wir unterstützen diese Forderung ausdrücklich“, so Stiftungsratsvorsitzender Matthias Wilkes betonte, dass es keine exotische Forderung sei, sondern diese auch vom Europäischen Parlament unterstützt werde und ganz oben auf der Agenda der USA und Frankreich stehe. Nicht aber bisher in Deutschland. Umso wichtiger, sich dafür stark zu machen. Denn: „Wir werden auf dieser Welt keinen Frieden bekommen, wenn es weiter himmelschreiende Ungerechtigkeiten gibt.“ Wilkes schilderte den rund 70 Gästen eindrücklich, wie sehr Menschen in Entwicklungsländern unter der Pandemie leiden und verdeutlichte dies auch anhand einer Zahl: Von 1,6 Milliarden Impfdosen, die bisher hergestellt wurden, haben die 29 ärmsten Länder nur 0,3 Prozent erhalten. An dieser Zahl werde erkennbar, in welcher Verantwortung wir – die Industrienationen – mit unseren Möglichkeiten und finanziellen Mitteln stehen, so der Stiftungsratsvorsitzende. Er hoffe, dass wenn Yunus im nächsten Jahr zur Preisverleihung komme, dieser berichten könne, dass sich die Lage für die Menschen in armen Regionen verbessert habe. 

Live-Musik im Rahmenprogramm

Für besondere Momente, nämlich Live-Musik, sorgten bei der Preisverleihung Schülerin Emma Ross und ihr ehemaliger Lehrer, Dieter Kordes, der sie auf dem Piano begleitete. 

Die Stiftung vergibt den Dietmar Heeg Medienpreis seit 2015. Die Benennung des Preises erfolgte in Gedenken an das frühere Stiftungsratsmitglied Dietmar Heeg, der im Frühjahr 2015 verstorben ist. Als Fernsehjournalist mit Leib und Seele war Pfarrer Dietmar Heeg stets am Puls der Zeit. (red)

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