Von Bränden und Kulturdenkmälern in Auerbach

Themenwanderung des Kur- und Verkehrsvereins im alten Ortskern

Seine 7. Themenwanderung führte kürzlich der Auerbacher Kur- und Verkehrsverein im alten Ortskern durch. Unser Bild entstand an der ungefähr im Jahre 1850 gebauten Alten Kaserne in der Bachgasse. Seinen Namen hat das Gebäude von seiner ursprünglichen Nutzung als Unterkunft für Wachsoldaten des Fürstenlagers.

An historischen Themen mangelnde es im alten Auerbacher Ortskern wahrlich nicht. Nach längerer Corona-Pause wagte sich der Auerbacher Kur- und Verkehrsverein am Montagabend (7.) wieder an die Durchführung einer Themenwanderung unter dem Motto „Auerbach gestern, heute und morgen“. Rund 50 Teilnehmer beteiligten sich unter der Führung von Vorstandsmitglied Ralph Stühling am rund einstündigen Spaziergang durch die bewegende Historie des Luftkurorts. Neben dem Organisator waren es auch immer wieder alteingesessene Auerbacher, die aus ihren eigenen Erinnerungen berichteten. Schon während der kleinen Rundgangs tauschten sich die Teilnehmer aus und förderten auf diese Weise die ein oder andere geschichtliche Entwicklung von Häusern oder auch Straßen zutage.

Historisches ergründet

Schon beim Treffpunkt am Parkhotel Krone standen die Teilnehmer auf historischen Grund. So berichtete Ralph Stühling auszugsweise von einem Großbrand in der Nacht zum 1. Oktober 1906 in dem 1655 als Fürstliche Herberge zur Goldenen Krone erbauten Hotel, bei dem die alarmierten Feuerwehren zumindest ein Übergreifen der Flammen auf die neueren angrenzenden Gebäude verhindern konnten. Schon nach einem Jahr wurde die Krone nach den Plänen des bekannten Architekten Heinrich Metzendorf wieder eingeweiht. Den Reigen der Erzählungen setzten an der Einmündung Darmstädter Straße/Bachgasse der Ur-Auerbacher Horst Knop, welcher die frühere Bebauung des Bereichs oder große Überschwemmungen auch aus eigener Anschauung ins Gedächtnis rief und an der ehemaligen Synagoge in der Bachgasse das Vorstandsmitglied des örtlichen Synagogenvereins, Wolfgang Müller, fort. So wurde die Synagoge im Jahr 1815 von der damals jüdischen Gemeinde Auerbach errichtet, welche zur damaligen Zeit auch eine eigene „Judenschule“ im Anwesen Bachgasse 32 unterhielt. Den gewaltsamen Ausschreitungen und Bränden der Pogrome erging das Gebäude letztendlich nur, da es im Oktober 1938 bereits als Gotteshaus aufgegeben und als Schmiede genutzt wurde. Nochmals knapp dem Abriss entging das Gebäude vor etwa 40 Jahren, als die ehemalige Synagoge im Zusammenhang mit der Erneuerung der Bachgasse der Abrissbirne zum Opfer fallen sollte. Durch den Einsatz von Bürgern und letztendlich des Magistrats, um den damaligen Bürgermeister Georg Stolle, wurde dies schließlich verhindert und das Gebäude für 420.000 DM renoviert. Im Jahr 1984 wurde das Gebäude an den Synagogenverein übergeben.

Mehr als 20 Kulturdenkmäler

Die Bachgasse ist in der Tat historisch. Mehr als 20 Gebäude und Bauwerke sind in der Liste der Kulturdenkmäler beim Landesamt für Denkmalpflege notiert. Noch 1910 war die gepflasterte Landesstraße die Einkaufsmeile Auerbachs. Mit den Jahren veränderte aber auch die Bachgasse ihr Gesicht und wurde von 1985 bis 1987 notgedrungen teilweise verdolt. Geschichte sind seit dieser Zeit allerdings auch schwere Überschwemmungen. Erhalten blieb der offene Bachlauf als sogenanntes „Freiburger Modell“ trotzdem und wird seit der Fertigstellung mit dem Bachgassenfest jährlich gefeiert.

Eine Stippvisite legten die Teilnehmer auch am Alten Rathaus an, welches zunächst einstöckig erbaut und anschließend als Amtssitz der selbständigen Gemeinde und als Schulhaus genutzt wurde. Auch heute noch führt der Auerbacher Ortsbeirat in dem Gebäude seine Sitzungen durch. Wie Ortsvorsteher Robert Schlappner berichtete, wurde das Gebäude in den Jahren 1859 und 1893 zu Gunsten von weiteren Klassensäle aufgestockt. Im Jahr 1911 erfolgte schließlich nach den Plänen des bekannten Architekten Metzendorf, der ursprünglich nur als inoffizieller Berater fungierte, der Bau der Schlossbergschule. Den Bogen zur aktuellen Situation an der Schlossbergschule spannte vor Ort die kommissarische Rektorin Solveig Hofmann. Bereits zuvor erinnerte Ralph Stühling an Bau und Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses, welche durch eine ungemeine Eigenleitung der Mitglieder in die Tat umgesetzt wurden.      

Über die Schloßstraße und Darmstädter Straße ging es schließlich wieder zum Ausgangspunkt zurück. Erinnert wurde selbstredend im Vorbeigehen auch an die Geschichte der Bierbrauerei Böttinger im heutigen „Holzwurm“ oder an das im Gebäude bis im Jahre 1964 beheimatete Kino. Anschließend befanden sich im eigentlichen Brauereisaal noch eine Zweigstelle der Handelskette COOP oder ein Drogeriemarkt der Firma Schlecker.

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